Survive this

20.12.12

Mein Finger tippt kurz auf den ‚Ablehnen‘ Button. Kerstin hat mich eingeladen auf die Weltuntergangsparty, via Facebook. Am 21.12.12 um 00:00 gehts los. Mein Ablehnungsgrund ist: „Hab‘ Nachtschicht.“
Kerstin ist die Schwester von meinem Ex. Nicht dass wir besonderen Kontakt zueinander hätten Kerstin und ich, vermutlich hat sie einfach jeden in ihrer F-Liste eingeladen, weil sies witzig fand. Ich mag den Gedanken den Weltuntergang per Facebook-klick abzulehnen. Stell dir vor die Welt geht unter und keiner geht hin.
Um Neun mach ich mich dann langsam auf dem Weg. In Arbeitsklamotten, weil ich zu Faul bin mich in der Arbeit dann umzuziehen und mein Scirocco ist so oll, dass ich den mit meinen Sachen auch nicht mehr verdrecken kann. Den hab ich übrigens, weil ich ihn mag…die alte Prollschleuder. Weil er so alt ist, dass ich ihn noch selbst reparieren kann, wenn er hustet und weil er nicht so aussieht, als hätte der Dampf unter der Haube. Hat er aber. Könnte mir auch etwas neues leisten, aber es ist mir meistens zuwider mich der Meinung der Masse zu beugen. Eine Masse die BMW toll findet oder.. Jack Wolfdings. Dann lache ich über mich selbst..ironischer Weise…denn das Tablet ist auch ein Massenprodukt, das keiner braucht und trotzdem jeder will. Ich auch. Es ist halt Spielzeug. Eben jenes Spielzeug packe ich in den Rucksack, den mir die Firma zum letzten Weihnachten schenkte. Da ist noch anderer Kram drin…alles was man so braucht heutzutage. Ladekabels für Handy und Tab und Kopfhörer für beide und USB Stick und Adapterdinge für USB Sticks und OBs. Ein Buch. Taschentücher. Ein leuchtend gelber Snap-on Steckschraubendreher mit diversen Bits…weil es mir wirklich auf den Senkel geht für jeden Scheissdreck die Werkzeugkiste aus dem Auto zu holen. Da in der Arbeit. Ne Mütze, weil es ist kalt des Nachts und ein Pali-tuch…weil es ist kalt des Nachts. Und Arbeitshandschuhe aus Leder… meine Patienten sind dreckige kleine Biester.Bürste. Deo. 2 Dosen Red Bull. N Apfel. Ne Kecksdose die mein Vater mir schickte. Kabelbinder. Ne Kopflampe, mit der man echt blöde aussieht, aber es hilft beim arbeiten, wenn man beide Hände frei hat. Kugelschreiber..Papier…und was dann noch in den Untiefen so rumlungert in die man sich für gewöhnlich nicht vorwagt beim wühlen.
Die Sicherheitskontrolle lasse ich über mich ergehen und denke mir wie jedesmal, ob denn wirklich jemand glaubt, ich müsste etwas auf das Flughafengelände schmuggeln um Schaden anrichten zu können, wenn ich denn Schaden anrichten wollen würde. Doch egal, wie klein der Dortmunder Flughafen auch ist…in Sachen Sicherheit, kann er es durchweg mit dem Münchner Flughafen aufnehmen…man fühlt sich immer ein bisschen wie ein Schwerverbrecher.
Meine mir noch immer neue Kollegen begrüßen mich verhalten, als ich den Aufenthaltsraum kurz vor zehn betrete. 2 Monate arbeite ich jetzt hier, das ist noch zu wenig Zeit um mit jemand warm zu werden, vor allem wenn man so……hm…ist wie ich.
„Hi Evchen…“ sagt Dieter und lächelt mich recht freundlich an. „Die Verniedlichung kannst du dir schenken…“ erwider ich in einem Tonfall der sehr viel abweisender ist, als ich das eigentlich will…er hebt gleich beschwichtigend die Hände. Es tut mir leid, aber wenn sie mich einmal für ein Mädchen halten, dann versuchen sie nur mit mir in die Kiste zu kommen und das arscht mich so an…da bleibe ich lieber Eigenbrödler. Das…wird dann auch der Hauptgrund sein, weswegen ich mit niemand so richtig warm wurde.
Der Schichtleiter – sein Name ist Karsten – verteilt Leute auf Flugzeuge. Viel sind wir nicht. 5…inklusive Schichtleiter. 4 Leute für 3 Flugzeuge. Einen Embraer, zwei Dash 8.
Karsten bleibt bei mir stehen..blickt auf seinen Zettel und erklärt: „Du schnappst dir ein Auto und ein Modkit…draussen auf der 80 steht die Mike Charlie, da muss die MAU neu verdrahtet werden, weil der QAR zuviel Daten abspeichert und dauernd voll ist“
Ich nicke artig blicke auf die Uhr und wieder zu meinem Chef. „Bis wann brauchen wir den Flieger wieder?“
„Um 12 Uhr soll er wieder fliegen.“ erklärt er, woraufhin ich geflissentlich den Kopf schüttel. „Da kannst du dem Herren von der Arbeitsvorbereitung gleich sagen, dass er für die Arbeit mindestens 20 Stunden planen kann..und das auch nur wenn alles gut läuft. Was hat der denn für Fantasien?“ Karsten lächelt kurz, weil er die Debatte kennt und weiß, dass 12 Uhr unrealistisch ist..er beugt sich etwas zu mir runter und sagt: „Bringst dus nicht?“
Ich schneid ihm eine Grimasse: „Du Arsch, du kannst gern an meiner statt da rein kriechen, wenn dus besser weißt.“ Karsten klopft mir auf die Schulter und lächelt weiter. “ Ne lass mal. Mach einfach soweit wies geht und hör früh genug auf um mit der Frühschicht ne vernünftige Übergabe zu machen okay?“
Eine Stunde später sitze ich mit allem möglichen Krimskrams bewaffnet im Flugzeugbauch..Middle Avionisbay…In meinen Ohren stecken Stöpsel und ich höre auf bemerkenswerter Lautstärke den immer gleichen Carnage Festival Remix von Spaceman. Das ist beinahe meditativ…und ich bemerke kaum wie die Zeit vergeht, während ich diverse Leitungen ausbaue…andere neu verlege..alte Verbindungen löse um neue zu schaffen. Ich mach die Arbeit nicht zum erstenmal und hab alles dabei. Abgesehen davon, ist es eine Schweinsarbeit…bei der man sich diverse blaue Flecken holt..weil dort wo man hin muss um eine Leitung zu kriegen..für gewöhnlich schon ein Rohr liegt, dass auch nicht beiseite geht. Trotzdem bin ich dankbar für den Job heute Nacht, weil ich einmal mehr keine Gelegenheit hab über meine persönliche Situation nachzudenken und….das ist mir ganz recht so.
Mir nichts, dir nichts. ist es dann halb sechs…den einen Teil …den schwierigeren wohlgemerkt! hab ich fertig gemacht..ein guter Zeitpunkt um Papierkram zu machen..als ich meine Füße in die Luke stecke um wieder aus dem Flugzeug zu kommen stelle ich fest, dass irgend so ein Witzbold meine Leiter geklaut hat. Doch um die Uhrzeit mag ich mich nicht mehr ärgern und es ist nicht so hoch, dass ich so nicht runter käme..also räum ich meine ganzen Werkzeuge und Utensilien in meinen Rucksack, weil ich gleich nicht mehr hochkomme, wenn ich runter gesprungen bin…und mach dann genau das.
Auf dem Vorfeld bemerke ich dann, das auch mein Technikauto weg ist und….das verdirbt mir denn doch ein wenig die Laune. Also zieh ich Thermojacke, Mütze und Tuch an und stampfe zu Fuss zum Büro…schon mit dem festen Willen so ungelaunt zu sein, dass sie keine Freude daran entwickeln werden solche Späße mit mir zu treiben.
Das Büro allerdings ist leer…weder die Nachtschicht noch da…noch die Frühschicht schon. Hm.Meinen Papierkram mach ich trotzdem, allerdings lässt mich der Computer nicht ins Internet um die notwendigen Daten abzurufen. Keine Netzwerkverbindung. Neustart. MsDos Ebene. Tracert url ergeben…nein. Es gibt wirklich kein Internet. An keinem unserer Pcs. Alter…wenn ich die Flugzeuge so warten würde, wie unsere EDV Abteilung die Computer…. Unter dem Nachbartisch fällt mir der Arbeitskoffer von Dieter ins Auge. Der muss also noch hier sein. Ich schnapp mir das Funkgerät aus dem Chefbüro und frag auf dem Sammelkanal für unsere Technik nach Dieter…dann nach irgendjemand…dann nach niemand. Die haben echt schon Feierabend gemacht..ohne mich. Was für Schweine. Ausser Dieter. Es…geht mich ja nichts an…aber ich lauf mal bei den Kaffeeautomaten vorbei. Im Rauchergang…sogar auf der Männertoilette guck ich nach. Das fühlt sich komisch an. Also nicht dass man des Nachts auf dem Flughafen nicht öfters mal alleine wäre..also…menschenseelen allein, aber…
Ich geh jetzt heim, das ist mir zu bunt. Feierabend ist auch. Auf dem Weg zur Umkleide höre ich aus dem Männerabteil ein Geräusch und weiß damit auch wo Dieter ist. Alles gut – ich geh schon weiter, mit dem Rucksack locker um die Schulter..auf dem Weg nach draussen geb ich dann das Werkzeug ab….da werd ich langsamer und horch nochmal. Stille. Es kribbelt mich in den Zehen. Immernoch Stille. Das kribbelt kriecht von den Zehen die Knie hinauf. Ich kenn das schon. Meine Hände ballen sich zu Fäuste, dann mache ich kehrt und anstatt in meiner eigenen Umkleide zu verschwinden gehe ich zurück und mach den Schritt in das Männerabteil.
Stille.
„Dieter?“ ruf ich so in den Raum. Nichts. „…oder sonst wer?“ Ein weiterer Schritt. Es…fühlt sich falsch an. Also nicht nur ich in der Männerumkleide..alles. Das völlig leere Büro. Die Stille. Das fehlende Internet. Und dann hör ich es. Das leise hektische Schnaufen. Mein erster echt eigenartiger Gedanke ist, dass sich einer der Kollegen hier einen runterholt..was wirklich nichts ist, was ich sehen will…stehen bleib ich trotzdem. Lausche weiter. Höre es immernoch, so als hätte sich mein Gehör auf die Stille eingestellt. Das Schnaufen klingt nicht…..geil.
„Hallo?“ werfe ich zögernd….leiser in den Raum..ich sollte gehen und noch während ich mir das denke, gehe ich schon weitere Schritte hinein…sehe die Spinde..zwei drei sind offen..ein paar Klamotten liegen auf dem Boden..wie achtlos liegen gelassen. Meine Kollegen sind Schweine. Ein hellblaues Arbeitshemd liegt auch da mit…rot durchsifftem Ärmel. Scheisse.Da hat sich jemand eine fiese Verletzung zugezogen….das…passiert leider manchmal in meinem Job…darum ist auch keiner hier, vermutlich haben sie ihn zum medizinischen Dienst gefahren und so. Die Anspannung fällt etwas von mir ab, da hör ich noch immer das Schnaufen..aus den Duschräumen. Uhm…. Und dann hab ich die Faxen dick. Wenn sich hier wirklich jemand einen schrubbt, dann wird er das wohl einstellen müssen, denn ganz dumm will ich nicht sterben, also stapfe ich entschlossenen Schrittes in die Duschräume..blicke Todesmutig in jede Kabine. In der letzten entdecke ich Blut am Vorhang… und schiebe diesen entschlossen beiseite und finde dort…Dieter.
In Arbeitshosen, aber nacktem Oberkörper sitzt er pitschnass in der Dusche und blutet traut vor sich hin. Sein Blick starr nach vorne gerichtet, ist er derjenige der so vor sich hin japst. Hyperventiliert. Sagt mein erste Hilfe Kurs. Ich bin….schockiert und starr ihn Sekunden….Minutenlang…so an, wie er die Wand anstarrt ohne auf mich zu reagieren. Dann atme ich tief aus und ich gehe in die Hocke und lege ihm meine Hand auf den unverletzten Arm. Vermutlich hat er einen Schock.
„Dieter..?“ spreche ich ihn vorsichtig an. Heiss ist er. Dabei werfe ich einen Blick auf die Verwundung und…bin verblüfft wie überaus beherrscht ich bleibe bei dem Anblick von…nun…fehlendem Fleisch? Mein Hinterkopf sucht nach einer adequaten Erklärung..welches Werkzeug könnte wohl ein Stück Fleisch rausreissen. Meine Lippen sprecher derweilen. „Dieter?Dieter….sieh mich an…du musst ruhig atmen…hörst du?“
Er hört nicht. Aus meiner Berührung wird ein vorsichtiges Ziehen. Aber Dieter ist nicht ansprechbar und ich fühle mich nicht ausgebildet genug um mit dieser Situation vernünftig umzugehen. Also zücke ich mein Handy um den Notarzt zu rufen. Allerdings hab ich kein Netz. Das ist….
Für einen Moment schwappt eine Welle von Überforderung über mich hinweg…Dieter allein lassen. Schlecht. Also…die Vorschriften beugen. Erstversorgung einleiten. Dann Hilfe holen. Dann stabilisierende Maßnahmen. Der erste Hilfe Kasten ist ganz nah und…Dieter wehrt sich nicht, als ich ihm einen wirklich großen Druckverband anlege..obwohl…er nicht so sehr blutet, wie er es meiner Meinung nach tun sollte. Dieter….arbeitet allerdings auch nicht mit. So krieche ich um ihn herum und stelle dabei fest, dass er…nicht so toll riecht. Die Verletzung sieht irgendwie nach…Hund oder sowas aus. Rausgerissen, soweit ich das beurteilen kann. Es leben NCIS und CSI Serien. Auf dem Flughafen haben wir nur Polizeihunde. Vielleicht einer von denen?
Ich versuche Dieter ein weiteres Mal dazu zu bewegen mit zu kommen doch der weigert sich nach wie vor. Also husche ich wieder ins Büro und rufe über Festnetz im medizinischen Dienst an…doch da geht niemand ran. Notarzt, ist belegt. Das Gefühl einer Verschwörung zu unterliegen……aber ich bin eine Frau der Tat und wenn das so nicht geht, dann fahr ich ihn halt selbst ins Krankenhaus….doch als ich in die Männerumkleide zurück kehre finde ich nur noch nasse Fusstapser …die…in die Frauenumkleide führen. Er…sucht mich? Warum er allerdings kein Licht gemacht ist mir nicht klar….mein Herz klopft Alarm…was kein Wunder ist….die Situation ist zu….Zu. Ich mache Licht und folge den spärlich werdenden Spuren und finde mich allein…
„Dieter…?“ Leiser klinge ich, als ich es wollte. Auf dem Boden liegt der blutige Verband…und seine Arbeitshose.
???
Meine Nackenhaare stellen sich auf bei der Vorstellung, wie er..hier nach mir suchte…mich nicht fand…den Verband abnahm….sich…auszog?…ähm….es fröstelt mich und ich mach die Thermojacke zu. Mehr..Automatisch als durchdacht gehe ich zum nächsten EH Kasten und packe ihn ein, damit ich ihm einen neuen Verband machen kann wenn ich ihn finde…. oder…er dich……mein Rucksack rutscht mir von der Schulter, also ziehe ich ihn vernünftig an. Irgendwas läuft schief. Ich suche Dieter und finde weder ihn..noch jemand anderen, also..werde ich trotzdem zurm Krankenhaus fahren oder zur Polizei..und sagen, dass…hier etwas schief läuft, ich aber nichts machen kann. Der Ordnung wegen…nehme ich mir im Büro des Chefs einen Zettel Papier und schreibe in Stichpunkten auf, was hier passiert ist und wohin ich jetzt fahre und dass ich jetzt fahre und dass ich das Handy dabei habe…und erreichbar bin, wenn ich wieder Netz hab. und während ich den Zettel anstarre und mich frage, ob da alle wichtige Information draufsteht packt mich jemand an der Thermo weste und zieht mich seitlich zurück…hält mich an der Weste und von schräg hinten neben dem Rucksack… in einem nackten Arm fest wie ein stürmischer Liebhaber.
„Evchen…“ flüstert er mir zu und ich könnte kotzen. Ich…suche in meinem Kopf nach klugen Dingen, die ich tun könnte. Aber alle Informationen purzeln gleichzeitig auf mich ein. Dass es Dieter ist. Dass er verletzt ist. Dass er sich komisch verhält. Dass alles hier komisch ist. Dass er mich festhält. Dass er mich an der Weste festhält und dass ein Problem ist und während mein Kopf lustig weiter wild durcheinander Dinge denkt, heben sich meine Hände…ganze langsam..und öffnen den Reissverschluss der Weste.
„Eeeeevchen…..“ wiederholt er und da ist ein Timbre das…mich zittern lässt. Obwohl ich so ängstlich nicht bin. Er…lässt mich machen…was ich tu, als…geschähe es in seiner Wahrnehmung gar nicht. „….ichhhhh…mag….dichhhh…“ Und dann kichert er und mein Herz setzt einen Moment aus….wie mein Gehirn…ich glaub, das ist Panik. Ich greife nach dem Arm..der mich umschlugen hält und schiebe ihn langsam nachdrücklich weg….und das funktioniert auch, bis zu der Sekunde, als Dieter begreift, was ich zu tun gedenke..da..will er wieder zu ziehen..doch ich schlüpfe nicht nur unter seinem Arm hindurch..sondern im gleichen Zug auch aus meiner Weste raus…und bin einen Augenblick schon zwei drei Schritte entfernt, bevor ich mich umdrehe.
Das Bild ist absurd. Bis auf rot gefärbte weisse Shorts..ist er nackt und blass…die Haare noch immer nass. Und er sieht die Weste vorwurfsvoll an, als hätte er noch nicht ganz verstanden, dass die Person darin jetzt fehlt. Als müsse er überlegen, in welcher Tasche sie sich wohl versteckt haben könnte. Und dann sagt er nochmal….“Evchen…?“ So ehrlich verwundert, dass ich in aller Absurdität lachen muss und da…da dreht er dann den Kopf und sieht mich an und etwas in mir begreift, dass sich das Verhalten mit einem Schock allein nicht erklären lässt. Seine Gesicht..verzieht sich zu einem erfreuten Grinsen und seine Stimme scheint mir tiefer als noch eben…als er meinen Namen ein weiteres Mal wiederholt.
Evchen.
Ich habe Angst vor ihm. Ehrliche. Echte. Angst. Angst die jedes Mitgefühl und jedes Verständnis für seine Situation vernichtet. Angst die jedes nachdenken dafür, wie ich später wohl erklären könnte, warum ich einer verletzten Person weh tat, beiseite wischt. Dieter lässt Weste wie Rucksack fallen und kommt auf mich zu und ich warte nicht, bis er mich wieder ergreift. Ich übernehme die Kontrolle über die Situation. So wie ich es gelernt habe.
Dieter ist mehr verblüfft denn wehrhaft, als ihn mein Tritt nach hinten befördert…ich…übrigens auch. Sandsack ist die eine Sache. Menschen sind….weicher. Adrenalin rauscht in meinem Blut…und ich bücke mich zitternd nach meinem Rucksack…zitternd vor Angst und Anspannung. Dieter kämpft mit sich und damit aufzustehen…und ich…ich suche das Weite. Laufe zum Parkplatz um auf halben Weg zu erkennen, dass zuviele Autos im Weg stehen, als dass ich einfach nach Hause fahren könnte. Haare raufen. Weiche Knie…keine Ahnung. Wohin mit mir. Was tun. Was passiert. Die Überforderungswelle, die ich vorhin zurückschlagen konnte, schwappt jetzt über mich und mein Gehirn stellt mir vor die Wahl mich hier an Ort und Stelle nieder zu legen und aufzugeben oder zu meinem Wagen zu gehen. Ich wähle den Wagen, mache ihn hinter mir zu. Verkrieche mich auf der Rücksitztbank…verdunkelte Scheiben. Eine Decke, die dort immer liegt….dann weine ich die Anspannung aus meinen Glieder und…schlafe einfach ein.

 

21.12.2012

Ein ziehender Schmerz im Nacken weckt mich.  Fühl mich, als hätte ich auf Steinen geschlafen. Es gibt so Tage…..mein ganzer Körper ist verspannt.Kopfweh. Kalt ist mir auch, streck mich trotzdem soweit meine Glieder mich lassen, weil der Raum in dem ich liege begrenzt ist. [i]Uhm?[/i]

Die berechtigte Frage, warum ich in meinem Auto liege drängt sich in mein Bewusstsein. Mit meinem Erwachen kehren auch die Bilder der vergangen Nacht zurück. Sie scheinen mir abwegig.  So abwegig, dass mich ein fürchterlich schlechtes Gewissen befällt, als mir wieder einfällt, dass ich einen meiner Kollegen getreten habe…. Weil er mir komisch vorkam. Tolle Begründung. Komisch komm ich mir auch vor, als ich mich wie ein 80jähriger Krüppel langsam aufrichte. Der Schmerz in meinem Nacken ist fies…ich plane auf dem Weg nach Hause bei einer Apotheke vorbei zu fahren und mir Wärmecreme mitzunehmen. Dann Kaffee. Für eine Tasse Kaffee könnte ich gerade töten. Warmen leckeren Kaffee. Eine heisse Wanne. Plan.

Sekunden später  sitz ich auf dem Fahrersitz und starte den Motor. Raus aus der Parklücke, rechts abgebogen…raus aus dem kleinen Parkhaus um die kleine Kurve  rum , die zur Ausgangsschranke führt allerdings hat meine Heimreise ein Ende. Weil dort lauter Autos stehen. Mehr oder minder ordentlich, aber gemäß offen stehender Türen ganz offensichtlich verlassen. Die standen dort gestern auch schon, ich erinner mich. Mein Herz macht einen Sprung. Man muss einfach zugeben, dass sowas normal nicht passiert. Und obwohl ich nicht übermäßig an der Realität hänge bringt mich diese Abweichung völlig  aus dem Konzept. Mein Puls beschleunigt, als hätte ich einen Sprint begonnen…die Knöchel an meinen Händen die das Lenkrad halten werden weiß. In meinem Kopf spielen sich Szenen ab, wie etwas geschieht…das alle aus ihren Autos aussteigen lässt…zu Fuss flüchtend, anstatt zu fahren. Ein Atompilz. Bombendrohung. [i] Die hätte ich hören müssen…[/i]

Vielleicht….ein terroristischer Anschlag. Da wird das Gelände umgehen evakuiert. Keine Zeit für Besitzsicherung. Das würde auch die Leere erklären. Das SEK entfernt alle weiteren möglichen Geiseln und sperrt den Flughafen weiträumig ab und ich…ich habs verpasst, weil mich dort einfach niemand sah oder vermutete und den Funk hörte ich nicht wegen der lauten Musik. Mein Puls beruhigt sich wieder. Nicht dass terroristische Anschläge etwas beruhigendes ansich hätten, aber es ist für mein Gehirn nachvollziehbar. Dieter…

Dieter. Vielleicht kam er irgendwie in ….so eine…Sedierungsgaswolke oder…weiß der Kuckuck was die Polizei auf Lager hat. Und ich hab ihn noch getreten. Ich muss zur Polizei und ihr sagen, dass sich noch jemand auf dem Gelände befindet der vermutlich nicht ganz zurechnungsfähig ist. In dem Loch, das aus dem Parkhaus raus führt erscheint kurz ein Schatten. Da ist wer. Meine Mütze und meinen Schal steck ich in den Rucksack…halb vermummt herum hüpfen, wenn der SEK Terroristen jagt wäre nicht die beste aller Ideen. Dann bin ich auch schon nebst Rucksack auf dem Weg nach draussen…verhalten, weil ich irgendwie damit rechne, dass aus dem Nichts plötzlich ein Haufen Uniformierter springen und ihre Waffen auf mich richten. Aber da springt niemand.  Der Gehsteig vor dem Terminal ist absolut leergefegt, was an und für sich schon irgendwie gruselig ist.  Mein Kopf dreht sich auf die andere Seite, nimmt die Tankstelle dort in Augenschein, die wie immer orange rumleuchtet. Es stehen noch Wägen an den Zapfsäulen. Ein Stück weiter seh ich einen BWM an einem Baum, auch dort steht die Tür offen. Keine fahrenden Autos. Wie weit die wohl so ein Gebiet abriegeln?

Kurz spiel ich mit dem Gedanken eines der offenen Autos zu nehmen, die so günstig stehen, dass ich damit losfahren könnte…doch meine Erziehung hält mich davon ab. Immerhin gehört mir das nicht und auch eine Abriegelung ändert daran nichts. [i] Nur geliehen Herr Polizist, wirklich![/i]

Ich werde einfach bis zur normalen Busstation hinter dem Porschezentrum gehen. Querfeldein. Unterwegs sehe ich einen Wagen aus Richtung des Wohngebietes kommen…sträflich schnell und dann ist er auch schon weg. An der Tankstelle wäre ich beinahe einfach so vorbeigelaufen, da seh ich hinter dem Lenkrad eines blauen Peugot eine Frau sitzten und recht verbissen Essen. Etwas schiebt sie sich gerade noch in den Mund, dann sinkt ihre Hand auf den Beifahrer sitz und nimmt von dort etwas neues….drei vier Schritte verwandeln etwas in eine Wurstsemmel. Mhh…Frühstück.

Spontan beschließe ich einen Zwischenstopp an der Tanke. Die Frau wird mir schon erzählen können, was hier vor sich geht. So näher ich mich unverdrossen und gebe mir Mühe möglichst gut zu sehen zu sein…was die Frau gänzlich ignoriert….und dementsprechen erschreckt, als ich sie mit einem deutlichen „Guten Morgen“ begrüße. Neben ihr auf der Fahrerseite steh ich, von dort seh ich, dass sie auf dem Beifahrersitz unmengen von Wurstsemmeln liegen hat, so als hätte sie die Auslage einer Bäckerei ausgeraubt. Ein paar Semmelreste liegen im Fußraum dazu.  Ich lächel…oder so und sie hört mit dem Essen auf und starrt mich an…misstrauisch.  So vergehen einige Sekunden, dann bedeute ich ihr das Fenster runter zu kurbeln, was sie tut…einen Spalt breit. Innerlich winke ich ab, vermutlich sehe ich grässlich aus.

„Guten Morgen“ wiederhole ich und bemühe mich um eine sympathische Ausstrahlung. „….verzeihen sie ich….laufe ein wenig neben der Spur…können sie mir sagen was ….“ Ich  beschreibe eine reichlich allumfassende Geste. „….passiert ist?“

Die Frau schluckt das Stück Semmel runter..blinzelt und wirkt trotz der Blässe echter als noch eben. Menschlicher. Ihre Schultern ziehen sich hoch…sie holt Luft die ungenutzt ausgestoßen wird. Ein Kopfschütteln, dann sieht sie mich an. Der Ausdruck in ihren blauen Augen ist…verloren…irgendwie.

Ihre Stimme klingt brüchtig. „Mein Mann hat unseren Sohn gefressen“

Ich schüttel den Kopf und beuge mich näher zu ihr, was ich gehört hab, kann so ja nicht wahr sein.

„Verzeihung?“

In einer hilflosen Geste breitet sie ihre Hände aus..[i]mit dieser Wurstsemmel[/i] und holt erneut Luft. „Mein Mann kam von der V-Schicht heim…heute Nacht und es ging ihm nicht gut. Hat nicht geredet mit mir, nicht wirklich. War ganz heiss und hat sich direkt ins Bett gelegt. Ich………..ich folgte ihm und heute Morgen wach ich auf, ganz früh und er ist nicht da…mein Mann.“ Erläutert sie…der Blick ins Nichts gerichtet, obwohl sie zu mir sieht. „ Dann hör ich ein Geräusch im Zimmer unseres Sohnes und….und geh dahin, ganz schlaftrunken und…da seh ich wie mein Mann bei meinem Sohn auf dem Bett sitzt…ihn fest umarmt hält und…Blut läuft den Rücken hinab…aus dem Nacken. Karl hat einfach in den Nacken meines Kindes gebissen.“ Und wieder zuckt sie mit den Schultern.

Ich….steh nur da und sehe sie an. Unschlüssig ob ich das Ernst nehmen kann…soll…darf? Etwas…muss passiert sein, denn die Blauäugige Blondine ist eindeutig von der Rolle. Jetzt erst sehe ich, dass sie ein Nachthemd trägt und darüber einen Mantel. Ein seltsamer Schmerz schleicht sich in meine Brust.

„Ich bin dann gefahren“ erzählt sie weiter.

„Und ihr Sohn?“ frag ich.

Daraufhin ziehen sich ihre Mundwinkel nach unten. Keine Antwort. Meine Stirn legt sich kraus. Gehe ein paar Schritte zurück – ein Blick aufs Nummernschild. Münster. Und kehre zu ihr zurück.  Sie sitzt da immernoch regungslos mit dem Gesichtsausdruck der schon beinahe eine Karrikatur sein könnte. Und dann hör ich es. Dumpfes Pochen von hinten. Aus dem Kofferraum. Ich lausche…sie…scheint es nicht zu bemerken …beisst einfach wieder in die Wurstsemmel….während ich zögerlich näher zum Kofferraum gehe und…auch mal dagegen klopfe. Stille. Dann hör ich etwas dumpfes. Kein Klopfen. Worte…beug mich tiefer und höre ein undeutliches…langezogenes …..wie von einer falsch eingestellten Platte stammendes…

[i] Maaaamaaaaa[/i]

…und weiche unwillkürlich zurück.  Mein Gehirn weigert sich eine geraume Zeit die logische Schlussfolgerung zu ziehen, dann stampfe ich wieder zu der Frau, reisse die Türe auf und fahr sie  an.

„Sag mal hast du dein Kind in deinen Kofferraum gesteckt? In deinen KOFFERRAUM??????“ Schnappe nach Luft.  Mir platzt der Kragen. Kann es nicht glauben, geht es denn noch kränker?

 

Ein Schaudern durchfährt sie….sie zieht sich zusammen, als hätte ihr jemand in den Bauch geschlagen.  Und obwohl sie die Wurstsemmel fallenlässt und sich beide Hände vor den Mund hält, kann sie das bereits verdaute Essen, dass daraus hervorquillt nicht aufhalten. Es rinnt zwischen den Fingern hindurch und der Geruch verursacht auch mir Übelkeit. Soll sie kotzen die Irre. Meine rechtschaffene Empörung kann kein Mitgefühl für sie aufbringen, stapfe nach hinten und mach den Kofferaum auf.

Hätt ichs nicht getan.

Hätt ichs lieber nicht getan.

Der Anblick des Kindes schnürt mir die Kehle zu…merke gar nicht, dass mir Tränen runterlaufen. Mein Atem geht so schnell. Das passt nicht in meine Realität. Nicht in meine Welt. Wie eine kaputte Puppe, liegt es da..mit dieser aufgerissenen Wunde im Nacken. Die Augen weit offen, den Mund offen. Wie tot. Aber ich weiß, dass ich es sprechen hörte.  Das Bild zu sehen, tut körperlich weh, denn es verrückt mich. Dinge auf die ich mich bisher immer verlassen konnte, werden plötzlich unstet. Väter knabbern nicht an ihren Kindern. Kann nicht aufhören den toten Leib zu betrachten…..und dann dreht es den Kopf.[i] Mamaaaa.[/i]

Das nächste was ich weiß ist, dass ich laufe. Nicht nur von dem Auto weg. Auch von allem, was diese Begegnung mit sich bringt. Die vage Ahnung, dass es keine Erklärung geben wird. Die Befürchtung, dass es nicht genügt den Flughafen zu verlassen um die echte Welt wieder zu finden.

[i] Münster[/i]

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Some Kind of Love

Der Wesir reiste oft. So oft und lange, dass Isydia an manchen Tage vergaß, dass sie nun seine Frau war. Seine erste Frau.

Eine der Sonderstellungen, die sie vor der Heirat mit ihm ausgehandelt hatte, war ihn nicht auf seine Reisen begleiten zu müssen. Schlichtweg konnte und wollte sie ihre eigenen Geschäfte in Belhanka nicht  lange ohne Führung zurück lassen. Und für sein körperliches Wohl würde sein Schwarm an Mätressen, oder Harem…wie er es nannte Sorge tragen. Isydia interessierte sich nicht dafür. Ein Teil des Abkommens war, dass sie  ihrem Angetrauten beizeiten einen Erben schenkte,  der im horasischen Reich anerkannt sein würde. Ein Stand, welcher für den Wesir unerreichbar war –  und den er auch nicht durch die Heirat mit der Grandsignora erreicht hatte. Der Spross allerdings, der dieser Verbindung irgendwann entwüchse, wäre ein fester Bestandteil der hiessigen Gesellschaft.

Dieses Mal jedoch war er auf dem Weg nach Al Anfa und ließ nach seiner Frau schicken. Die Verhandlungen, die er mit einem dort ansässigen Don zu führen wünschte machten eine Person von Stand notwendig, der man ohne zu fragen den notwendigen Respekt entgegen brachte. Und weil die Heirat eine geschäftliche politische Bindung war deren Sprossen gepflegt werden wollte, übertrug Isy ihre Geschäfte auf Andre und den geschätzten Onkel und trat die Reise an.  Wie stets auch diesmal in Begleitung ihrer Geliebten Cailyn und ihrer Zofe Mireia, begleitet von vier tulamidischen Schwertkämpfern die stets grimmig blickend nie viel sprachen. Diese dienten zum Schutze.

Isydia hegte schon lange bevor sie es rausfand den Verdacht, dass ihr Mann seine zweifelhaften Fähigkeiten der Beherrschung auf diese Soldaten gewirkt hatte. Mannen die sich vermutlich ohne zu zögern vor Isydia geworfen hätten..im Fall der Fälle.

Als die kleine Reisegesellschaft nach einigen Tagen auf die Zeltkarawane des Wesirs trafen, hatte Isydia ihren Gatten bereits seit 3 Götterläufen nicht mehr gesehen. War er ihr ohnehin noch nie vertraut, schien er ihr ungleich fremder als jemals zuvor. Wie es sich gehörte, erwartete er sie vor seinem Zelt und begrüßte sie mit herzlichen Worten. Das erfüllend, was erwartet wurde. Er half ihr vom Pferde und sie küssten sich auf die Wangen, als Zeichen der Vertrautheit. Er begrüßte auch Cailyn mit Küssen auf die Wangen, die nach all der Zeit noch immer die größten Probleme mit der Umstellung hatte. Obwohl Jafar niemals gefordert hatte Cailyn solle das Schlafzimmer seiner Ehefrau verlassen. Geschweige denn aus deren Hause ziehen. Dennoch verblieb sie unzufrieden, wenn er irgend in der Nähe war.

Jafar lud die Damen ein zur Abendgesellschaft im tulamidischen Stile, an welcher auch  ein Vertreter eines Grandes aus Al’Anfa teilnehmen würde. Sie sollten sich frisch und hübsch machen. Er hatte Landestypische Kleidung für die Damen bereitstellen lassen. So wie er es Cailyn gegenüber auf dem Fest auf dem Jagdschloss Fagio bereits einmal angesprochen hatte. Farbenfrohe Gewänder, aus leichten und schweren Stoffen…durchsichtig ohne zuviel Preis zu geben…mit Gold Applikationen. Isydia nahm es Wortlos entgegen.

Da der Vertreter des Grandes im Lager des Wesirs übernachten würde, teilte man Cailyn und Mireia in ein eigenes Zelt und Isydia erhielt den ihren an der Seite ihres Mannes. Das prachtvollste aller Zelte im Lager. Gefüllt mit wertvollen Teppichen..verhangen mit glänzenden Stoffen…verziert mit einer Unmenge an Kissen. Doch gab es auch einen Tisch …und ein Bett…Dorthin zog sie sich zurück und nutzte die Gelegenheit die Jafar ihr zum Gefallen zur Verfügung gestellt hatte. Einen hölzernen Badezuber. Ein wahrer Luxus bedachte man den Aufwand, den man betreiben musste um während einer Reise ein warmes Bad zu nehmen. Es dauerte auch nicht all zu lange, da kamen Cailyn und Mireia zu ihr ins Zelt gehuscht.

„…Oh…du hast eine Wanne….“ Stellte Cailyn nicht ohne Neid in der Stimme fest. „…und das Wasser dampft….“

„Wünscht die Herrin zu baden?“ fragte Mireia und sah sich schon im Raum um, ob möglicher Utensillien wie Badeöle oder salze. Tüchter zum trockenen danach und Schwämme zum reiben während dessen….und fand alles fein säuberlich auf einer kleinen Kommode gerichtet nicht unweit der Wanne – genug für zwei badende.

Die Frage, ob der Wesir dieses für sich und seine Frau oder für seine Frau und deren Geliebte hatte richten lassen kam nicht über ihre Lippen. Für Cailyn jedenfalls schien die Antwort klar.

„Ja…wünscht sie Mireia! Und ich auch..“ Und bevor die Grandsignora ihre Meinung hätte mitteilen können, war Cailyn schon da…küsste den Hals der nun verheirateten Frau und machte sich an den Bändern ihres Kleides zu schaffen. Im ersten Augenblick reagierte Isydia nicht, wie so oft und noch schlimmer seit sie verheiratet war….doch Cailyn hatte schon immer die Begabung über die Laune ihrer Geliebten hinweg zu tun, was ihr richtig schien und behielt für gewöhnlich recht. Ihre kühlen Hände schlichen sich unter den Rock des Kleides und hoben es über Isydias Kopf…nur um den Leib darunter liebevoll zu ertasten.

„Sag ja…wir wollen baden…“ flüsterte sie an die Ältere geschmiegt und das warme Raunen in ihrer Stimme erweckte Isydia zum Leben. Sie wendete sich um, halbnackt wie sie schon war und lächelte die Frau mit den feuerroten Haaren vor sich an.

„…ja…wir wollen baden…wenn es dich nur glücklich macht meine Liebe.“ Die Antwort war ein heiteres Kichern und ein hektisches aus den eigenen Kleider wuseln, das unweigerlich ein weiteres Lächeln in Isydias Gesicht malte. Mireia stellte einen Schemel bereit, mit welchem die beiden Damen ins heisse Wasser steigen konnten und wenig später hörte man von der Hitze gezeichnetes wohliges Seufzen.

„Hast du die Kleider schon angesehen, die _dein Mann_ uns gegeben hat.“ Der leise Vorwurf verging im restlichen fröhlichen Geplapper. „…es gibt da ein Kleid in dunkelblauer Seide…das hervorragend zu meiner Haarfarbe passt. Ich bin sicher, ich werde in diesen Kleider aussehen, wie eine tulamidische Prinzessin. Isydia hielt wortlos ihre Hand aus dem Zuber in welcher unmittelbar daraufhin ein Kelch mit Wein landete. Mireia musste nur mehr wenige Fragen stellen, ob den Dingen welche die Herrin von ihr verlangte, nach einem Schluck von dem Roten schüttelte sie ihren Kopf.

„Ich denke nicht, dass ich mich halbnackt präsentieren werde“ erwiderte sie und nahm sich einen der Schwämme um den Sand von ihren Armen zu reiben.

„Die meisten Rajah Geweihten haben weniger an. Die Schleier sind wunderschön und geheimnisvoll, du würdest wundervoll darin aussehen. Tu ihm doch den Gefallen…schließlich gibt er sich hier alle Mühe um es uns schön einzurichten….“ Mireia hielt wohlweislich den Mund.

Isydia schüttelte ihren Kopf und warf ein:

„Seit wann hälst du zu dem Wesir…ich dachte immer unsere Heirat wäre dir ein Dorn im Auge.“

„Ist es auch…“ erwiderte Cailyn und schmiegte sich im heissen Wasser an den Leib ihrer Geliebten bis nur noch wenige Zentimeter ihre Gesichter trennten. „Es ist mir zuwider, dass er dich ‚meine Frau‘ nennen darf und dass du irgendwann sein Kind tragen wirst und dass er nun ein Teil deines Leben ist…“ Ein zarter Kuss folgte den Isydia nicht ganz unbeteiligt geschehen ließ, daraufhin zog sich Cailyn wieder auf ihre Seite zurück.

„…aber…es könnte schlimmer sein. Er ist gutaussehend..also…charismatisch in jedem Fall und charmant und interessant und er beschenkt und beehrt dich wo immer er kann. Ich denke er liebt dich wirklich…“

Bis zu den letzten Worten hatte Isydia einen nachdenklichen Gesichtsausdruck aufgelegt, dann jedoch löste sich ein ernsthaft amüsiertes Lachen  aus ihrer Kehle.

„Der  Wesir liebt mich so wenig, wie ich ihn Cailyn. Unsere Verbindung ist rein geschäftlicher Natur und war nie anders geplant….aber du hast Recht. Vielleicht tu ich ihm Unrecht. Ich werde mich heute Abend bemühen nett zu ihm zu sein…“

„…und eines der  Kleider tragen?“ bohrte Cailyn nach.

„…wir wollen es nicht zu weit treiben…“ erwiderte Isy nur.

 

 

Zum Sonnenuntergang traf sich die Gesellschaft im großen Zelt in dessen Mitte ein kleines Feuer loderte und den ohnehin in rot gehaltenen Raum noch mehr Feuer verlieh. Teppiche am Boden hielten den Staub von den baren Füßen fern, auf kleinen runden Tischen standen Wasserpfeifen und Kelche mit Getränken.  Frauen mit Karaffan liefen umher, eine schöner als die andere und in einer Ecke des Zeltes spielte ein älterer Mann auf einem seltsamen Instrument, dass gezupft werden wollte und entlockte ihm fremd anmutenden Töne. Auf Messing farbenen Tellern lagen kleine Köstlichkeiten. Trauben. Trockenfleisch.  Honiggebäck. Am hinteren Ende saß Jafar mit zwei Männern, die ähnlich dunkel gekleidet waren wie er. Andere Fremde im Zelt waren verteilt an den Tischen und unterhielten sich leise.

Als man sich gewahr wurde, das Isydia mit ihrer Gesellschaft das Zelt betrat verstummten die Gespräche. Die Gäste erhoben sich…nur um sich vor der Grand Signora angemessen tief zu verneigen. In dieser Zeit trat sie näher, gekleidet in ein helles Kleid, dass ein wenig zuviel von ihren Schultern preis gab und doch angemessen Sittsam war. Schlicht in sich, aber schön. Das Haar von einem  Perlenbesetzten Netz verhüllt.  Auch Mireia war dem Beispiel ihrer Herrin gefolgt und hatte auf die angebotene Kleidung verzichtet, obgleich ihr Anblick in grün sehenswert war, blieb der Blick Jafars einzig an Cailyn hängen, die wie vorhergesagt, in dem Kleid aus dunkler Seide, verhüllt von Schleiern eine Schönheit besonderer Art darstellte.

„Guten Abend edelgeborene Grandsignora…..es freut uns eure Bekanntschaft zu machen.“ Eröffneten die Gäste das Wort und erhoben sich wieder. „Gestattet, dass wir uns vorstellen. Mein Name ist Don Callio Ballurat ein Vertreter des Hauses Wilmaan zu Al’Anfa und dass ist mein Schreier Nesro…“ Und eine erneute, fast übertriebene Verbeugung folgte.

Isydia lächelte freundlich, aber nicht warmherzig und reichte ihre Hand zum Kuss mit den Worten.

„Isydia ada Bosvanie .. Grandsignora zu Belhanka und getreue Ehefrau des hochgeborenen Wesirs Jafar zu Fasar….die schöne Frau zu meiner rechten ist meine Gesellschafterin Cailyn von Liliengrund-Adelquell“ Eine Geste verwies auf die Rothaarige, die den Wesir wie hypnotisiert ansah….erst als sie begriff, dass die Rede von ihr war, sah sie auf und knickste höfliche.

„Und meine Zofe Mireia…….die Freude meine Herren…ist ganz auf meiner Seite.“

Die Herren warteten, bis Isydia sich ihren Platz neben Jafar gesucht hatte, in dessen türkisen Augen ein gewissern Unmut mitschwang…und bis sie sich gesetzt hatte. Dann erst ließen sie sich selbst nieder. Wie auf einen unausgesprochenen Befehl schwärmten die Damen in Karaffen näher und während diese die Gäste verwöhnten beugte sie Jafar näher zu Isydia, ohne den Blick von der Runde zu nehmen, flüsterte er ihr leise zu.

„Gefallen euch die Kleider nicht, welche ich für euch vorbereiten ließ?“

Und Isydia kam ihm entgegen, ein weiches Lächeln auf den Lippen, als tauschte sie Zärtlichkeiten mit ihrem Gatten. Auch ihr Blick wich nicht von der Runde, als sie antwortete.

„..sie sind wunderschön mein geschätzter Gatte.“

„Und..nun denn…warum ist eure Gesellschafterin die Einzige, welche ich in diesen Kleidern bewundern darf..?“

Schweigen…einige Sekunden lang. Wein plätscherte aus einem Krug in einen Kelch und eine Bedienstete fütterte den Don mit einer prallen Traube, die..wie er verkündete…köstlich war. Isydia lehnte ihren Kopf sacht an die Schläfe ihres Gattens…ihre Augen schlossen sich und jeder der die Beiden betrachtete müsste vermuten, es wäre eine Geste der tiefen Zuneigung. Ihre Stimme war nur mehr ein flüstern, als sie ihm sagte:

„Weil ich euch nie…niemals mehr zugestehen werde, als das…was wir vertraglich regelten…“

Seine  Nasenflügel weiteten sich im ersten Augenblick, als käme gleich die Wut über ihn….Isydia löste sich schon  und als sie ihn anblickte fand sie statt einer wutverzerrten Mimik  ein amüsiertes Lächeln auf seinen Lippen.

„Nie…ist eine lange Zeit… meine _geliebte_  Frau…“ erklärte er vielsagend und die Finger seiner rechten Hand legten sich einer um den anderen um den gläsernen Skorpion, welcher am Ende seines Stabes prangerte.

Isydia betrachtete das Spiel der Finger, suchte seinen Blick den sie frei erwiderte, obwohl sie doch um seine Fähigkeiten wusste….und lächelte sanft.

„Nie…ist die letzte  Erkenntnis einer verdorrten Hoffnung mein _geliebter_ Mann“

Seine Linke löste sich von seinem Stab und legte sich auf ihre Hand, die zwischen ihm und ihr auf dem Diwan ruhte.

„Nie…“ sprach der Don. „…ist der größte Feind eines guten Geschäfts“ Und lachte und  Jafar fiel mit seinem dünnen Lächeln mit ein. Isydia neigte zustimmend ihren Kopf gen Gast und Mireia schüttete etwas von Jafars Gewürzwein ein, den er stets mit einem Hauch Rauschgurke verbesserte.

Der Abend verlief wie gewünscht. Das geschäftliche wich bald dem feiern und die Tulamiden hatten eine eigene sehr reizvolle Art des Feierns…geprägt von Gesang und verführerischen Tänzen…geschwängert von Gerüchen…Gewürze und Düfte von Blumen oder Leckereien. Eine Bauchtänzerin zog die Blicke aller Männer auf sich und als Cailyn sich irgendwann erhob,allen Hemmungen zum Trotz und sich zum Takt der Musik bewegte verstummten die Gespräche ein weiteres Mal. Auch wenn ihre Hüften nicht jene seltsam anmutende Bewegungsfreiheit aufwiesen, lag in ihrem Tanz eine Mischung von unschuldiger Verführung, von der man kaum den Blick abzuwenden vermochte.

Jafar rauchte an einer Wasserpfeife und beobachtete den Verlauf des Abends, bis auf die  ein oder andere Bemerkung schweigend und seine Frau saß bei ihm und hielt es ganz ähnlich. Beide tranken den Gewürzwein, aber nicht übermäßig viel. Beide sogen den kühlen Rauch in ihre Lungen und kosteten dann und wann von den Süßigkeiten die gereicht wurden. Jafars Fingerspitzen strichen versonnen über Isydias Handrücken, als er Cailyn bei ihrem Tanz betrachtete und beugte sich erneut zu ihr mit den leisen Worten.

„Vielleicht sollte ich deine Geliebte davon…._überzeugen_ das Bett mit mir, anstatt mit dir zu teilen….“sprachs und sodann schoben sich seine langen schlanken Finger mit schlangenhafter Eleganz zwischen die ihren. Sie wusste wohl was er meinte. Er sprach nicht von Verführung, nicht im hinlänglichen Sinne….es war die Macht, die in ihm schlummerte, jeden in seinem Umfeld seinen Willen aufzwingen zu können.  „….das ..interessante daran wäre, dass es ihr danach bewusst wäre…sie könnte sich an …alles….erinnern…jedes Stück nackte Haut, dass sie nur all zu gern auf meinen Leib gelegt haben wird…“

Isydias Lippen verschmälerten sich und die Hand, in welche er sich hineingezwängt hatte schloss sich leicht und  nahm damit seine Finger zwischen ihren  gefangen. Ihr Blick lang auf Cailyn deren rotes Haar zu einem eigenen Lied tanzte…verführerisch….wunderschön und die blauen Augen ihrer Geliebten lagen auf ihrem Mann, als stünde sie schon lange unter seinem Bann und auch er sah sie an. Weiterhin zu seiner Frau flüsternd…wie er so Händchen hielt…mit ihr.

„….sie ist so schön…reif wie eine rote Beere…..ich glaube….es würde ihr gefallen, mir zu erliegen…..was…denkt ihr?“ Und mit dieser Frage löste er sich von dem Anblick Cailyns und schenkte seine Aufmerksamkeit der Frau an seiner Seite. Isydia verweilte noch einen Augenblick auf dem Anblick der schönen jungen Frau vor ihr….nachdenklich…ihre Hand lockerte sich und gäbe die seine frei, wenn er sie zu sich nehmen wollte. Dann wandte sie sich ihm zu. In ihrem Antlitz war kein Harm zu finden…keine verborgene Emotionen….nur dieser Abgrund in ihren dunklen Augen in den er nicht hinein zu blicken vermochte. Dieser Abgrund war es gewesen, derentwegen er Isydia überhaupt näher zur Kenntnis genommen hatte. Vielleicht sogar der Grund, weswegen er den Entschluss gefasst hatte sie zu seiner ersten Frau zu machen. In dem Schwarz ihrer Augen spiegelte sich das Stück seiner Seele, auf das er nie wirklich Zugriff erlangt hatte. Obwohl fast alles an ihr dem entsprach, was man im horasisches Reich gemeinhin von einer Grandsignora erwarten durfte, schwang in ihrem Blick und…manchmal in ihren Worten eine Melodie, die ihm gleichsam vertraut war wie unangenehm. Dieser Abgrund sah ihn an und flüsterte ihm die Worte.

„Es ist mir einerlei Jafar….wenn sie dir gefällt…pflück sie…“ Und das was ihm….ausgerechnet ihm dabei Schauer über den Leib trieb, war der Klang in ihren Worten, der mit Gewissheit davon sprach, dass sie nicht bluffte. Dass es die Wahrheit war. Es war ihr einerlei.

Wissend, das Cailyn mehr als ein halbes Leben an Isydias Seite war…die erste und einzige  Frau in ihrem Leben, wie sie in einem schwachen besonderem Moment gestanden hatte. Wo Isydia war, war Cailyn nicht weit…eine Partnerschaft die schon lange anhielt..länger als die meisten Heiratsverträge. Und dennoch konnte sie so etwas sagen.

„Hm…“ erwiderte er …in gewisser Weise enttäuscht und entzog sich ihr um ein weiteres Mal an der Wasserpfeife zu ziehen. Einige Gäste hatten sich bereits zur Nachtruhe begeben. Mireia war in einem aufgeweckten Gespräch mit dem Schreiber Nesro versunken und Cailyn bezauberte offenbar den Don selbst mit ihrer glockenklaren Art und Weise. Lange hatte er geschwiegen, dann legte er erneut seine Hand auf die ihre und lächelte sie an.

„Lass mich dir ein wenig vorlesen….“ Wohl wissend, wie sehr sie dies genoss, egal wie sehr sie es nicht aussprach. Sie hatte unzweifelhaft eine Schwäche für seine Stimme und er nutze diese Schwäche für sich, wenn sie..aus welchen Gründen auch immer verstimmt war. Und obgleich ihr dies wohl klar war, verneinte sie sein Angebot nie.

Nie.

So nickte sie und nahm sich einen weiteren Schluck vom Gewürzwein…einen größeren, der sie in die Kissen zurück sinken ließ und ihre Augen sich schließen. Während eine seiner Frauen das Buch brachte, aus welchem er vorzulesen pflegte. Und dann las er und seine Stimme drängte ihr alles andere in den Hintergrund… Sie hörte nicht, wie die Zofe sich verabschiedete oder wie Cailyn sich auf einen nächtlichen Spaziergang einließ. Oder wie die Geräusche im Zelt langsam weniger wurden. Sie erfasste nur das Timbre seiner Stimme, dass sich in ihren Verstand schlich wie der Wüstensand jedes Kleidungsstück zu durchdringen vermochte. Als er schließlich endete war es still im Zelt. Nur das Feuer knisterte leise vor sich hin – ansonsten gab es da niemanden mehr. Nur Jafar und Isydia. Beinahe mühsam öffnete sie ihre Augen und in dem halbdunkel des abgebrannten Feuers schienen ihre Pupillen ungleich größer. Leise klang ihre Stimme.

„Ich liebe deine Stimme…“ Die Worte in ihrer weichen Einfachheit ließen ihn aufmerken und wie von einem Magnete angezogen legte sich sein türkiesener Blick suchend auf ihr Antlitz. Und Isydia, deren Lippen offenbar gesprochen hatten bevor sie die Worte dazu bedacht hatte schloss die Augen um ihm die Sicht auf ihre Seele zu verwehren. Ihre Hände zogen sich zusammen, als hätte sie einen fatalen Fehler begangen. Einen Fehler, den er umgehend aufgriff.

„Du….liebst…..meine Stimme“ wiederholte er…nicht ohne dem Worte ‚liebst‘ angemessen viel Unglaube zu verleihen….doch nicht nur…es lag auch eine leise Frage darin.

Isydia schüttelte nur ihren Kopf…blinzelte ein paar Mal, atmete ein und wieder aus und schüttelte nochmals den Kopf bevor sie ihn wieder ansah.

„Ich hör euch gern beim Vorlesen zu…was euch durchweg bekannt ist Jafar.“ Erwiderte sie und klang nicht so hart, wie sie es eigentlich hätte klingen lassen wollen.

Sein Kopf hob sich, als wollte er ‚ah ja‘ sagen, doch er sprach nicht. Stattdessen suchte er seine Hand auf die Ihre zu legen, doch sie entzog sich ihm, bevor er sie berührt hatte.

„ Es wird Zeit für mich…“ erklärte sie ihm und erhob sich umgehend. Seine Lippen verschmälerten sich kurz, dann stand auch er auf, legte seine Hand an ihren Arm, sie in diesem Zuge davon abhaltend sich einfach abzuwenden und zu gehen. Fest war sein Griff. So fest, dass sie erstaunt hinab zu seiner Hand blickte und wieder zu ihm.

„Da ihr…mir nichts zu gewähren gedenkt, was wir nicht vertraglich regelten..“ begann er und sein Blick hatte eben jene stechende Note, die ihr sofort an ihm aufgefallen war. Seine Stimme klang bestimmt. „….wann gedenkt ihr..mir meinen Erben zu schenken.“

Ihre Stirn legte sich in Falten, als verstünde sie im ersten Augenblick nicht wirklich auf was er hinaus wollte, dann schürzten sich ihre Lippen und sie schüttelte ihren Kopf.

„Heute Nacht mühten wir uns umsonst…._geliebter_ Mann. Die richtige Zeit um euch einen Erben zu schenken ist der Neumond….“sprachs und machte Anstalten sich von ihm zu lösen, doch er verstärkte seinen Griff und sie bemerkte zum erstenmal, wieviel Kraft in den langen Fingern lag.

„….also wollt ihr euch euren vertraglichen Pflichten entziehen…das Bett mit mir zu teilen, bis ihr mir einen Erben gebärt.“ Schneidend  klang er und anstatt dass sie versuchte sich weiter loszulösen, wandte sie sich ihm nun näher zu, seinen Blick suchend.

„…ich…werde euch einen Erben schenken Jafar. Ich werde das Bett mit euch teilen. Nur heute Nacht nicht.“ Bedächtig sprach sie, fast schon fürsorglich. Seine Augen hingegen verengten sich und er schüttelte seinen Kopf.

„Mein _geliebtes_ Weib….ihr schuldet mir nun schon fast 7 Götterläufe die erste gemeinsame Nacht…hier und heute fordere ich sie ein….es ist mir gleich, ob eure Schoß heut Nacht zu erblühen vermag oder nicht.“

Ihre Augen weiteten sich…ein wenig wie Wut, sie beugte sich noch einen Tick näher zu ihm. Konfrontation heraufbeschwörend. Ihre Stimme klang tiefer und schneidender, als die erwiderte.

„Und warum…._ge_lieb_ter Mann….wenn ihr denn nun schon sieben Götterläufe wartet…müsst ihr ausgerechnet heute Nacht euer Recht  so unbedingt einfordern und könnt nicht noch eine weitere Woche warten…?“

Er erwiderte ihren wütenden Blick und ein dünnes Lächeln schmierte sich auf seine Lippen, als er ganz leise und fern jeglichen Zornes antwortete.

„Weil ihr es heute Nacht…so unbedingt….nicht wollt.“

Isydia sog die Luft durch die Nase ein…bereit aller Götter Flüche auf ihn hinabzubeschwören…und ward mittendrin von aller Kraft verlassen. Es war so einfach. Er erfühlte mit untäuschbarem Instinkt, die Schwäche, die heute Nacht von ihr Besitz ergriffen hatte. Vielleicht dem Gewürzwein geschuldet. Vielleicht dem stetig andauernden stummen Kampf zwischen ihm und ihr. Sie atmete aus. Ihre Schultern senkten sich und sie nickte…wissend, dass er sie nicht ausließe..wie ein Wolf nicht von der blutigen Fährte ließ.

„Dann gewährt mir nur fünf Augenblicke allein. Geht voraus ins Gemach…ich komme nach….“ Ein leise Hoffnung malend. Die Gelegenheit ein wenig ihrer Disziplin aus sich heraus zu holen, um sich zu wappnen, doch  er schüttelte seinen Kopf.

„Nie….ist die letzte Erkenntnis der verdorrten Hoffnung meine Liebe…“ bediente er sich ihrer Worte und ließ seine Hand an ihrem Arm hinab bis in ihre Hand gleiten, welche er umfasste, um sie daran schweigend mit in sein Zelt zu nehmen. Er geleitete sie hinein und ließ sie so denn los, den schweren Teppich vor den Eingang hinablassend, so dass jeder wüsste, dass er nun nicht mehr wünschte gestört zu werden.

Ohne sie erneut zu ergreifen, ging er an ihr vorbei und ließ sich in seinem Bette nieder, wie ein Pascha…seitlich gedreht..ein Bein angewinkelt..auf einen Arm gelehnt. Sein Stab hatte er neben sich auf das Bett gelegt. Sein Blick lag unverwandt auf Isydia, die da….eben stand und ihn nur stumm mit Blicken verfolgte, als wäre sie noch nie zuvor mit einem Mann allein gewesen. Er lächelte und formulierte eine auffordernde Geste. Wortlos . Und Isydia blickte an sich hinab, als wäre sie unschlüssig wie anzufangen wäre. Doch bevor sie sich entscheiden hätte können, flossen aus dem Schatten der Zeltwände zwei Dienerinnen…oder vielleicht..zwei seiner Mätressen? Dies zu unterscheiden war nicht so einfach. Die kleinen kühlen fremden Finger griffen nach Schnürungen und Ärmeln. Befreiten das Haar vom Netz und rafften den Rock und während die Grand Signora noch nicht richtig begriff was geschah, befand sie sich nur noch gekleidete von ihrem eigenen Haar in dem Zelt ihres Mannes stehend, der sie unverwandt  ansah…so wie man etwas betrachtete…das einem gehörte. Mit einem gewissen Stolz. Mit einer gewissen Zufriedenheit: Mit….mehr.

Isydias Leib war in voller Blüte, kurz vor dem Zeitpunkt an welchem sie begönne zu vergehen in ihrer Schönheit. Sicherlich hatte Jafar in seinem Harem Frauen deren Leiber schöner waren….deren Brüste sich noch reckten wie stolze Ritter und deren Haut so glatt spannte wie die einer Traube.  Die Frau die er jetzt betrachtete…ihre Haut sah weich aus, die Rundungen vollkommen, dafür geschaffen von Männerhand nachgezeichnet zu werden. Die Knospen ihrer Brüste lugten zwischen den schwarzen Strähnen hindurch, als wollten sie vorwitzig sehen, was um sie herum geschah. Hatte er darauf gehofft Isydia ob ihrer Nacktheit beschämt zu finden, sähe er sich enttäuscht. Sie stand in ihrer Blöße nicht weniger stolz, als in ihren Kleidern. Selbstbewusst. Sich ihrer bewusst und, wenn er es vergessen hätte, fiele ihm bestimmt ein, dass eine Frau deren beste Freundin eine Rahja Geweihte war  ganz gewiss keine Scheu vor Körperlichkeiten kannte.

Augenblicke vergingen, in welchen er sie nur ansah und sie zurück blickte. Es kam nur ein einziges Wort über seine Lippen, ohne dass er diejenigen an die es gerichtet war mit Aufmerksamkeit bedacht hätte.

„Geht.“ Der Befehl darin war unmissverständlich und die beiden Frauen verschwanden umgehend aus der Realität des Zeltes und da dies geschehen war, gestattet er sich ein weiteres Wort. Weicher als das erste.

„Komm..“verlangte er und seinem Wunsch folgend setzte sie sich in Bewegung und nichts von dem was sie tat blieb von ihm unbetrachtet. Ein wenig, wie Cailyn ihn zuvor angesehen hatte. Ähnlich und doch ganz anders. Neben dem Bett blieb sie stehen…in seinem Rücken, wenn man so wollte und er machte sich die Mühe und drehte sich zu ihr um. Sie sah hinab zu ihm….strich mit Blicken über seine Gestalt bis sie wieder bei seinen Augen angelangte und  sprach…mit einer eigenwilligen Melodie die ihn unweigerlich an Zauberwirker erinnerte. Obgleich ihm bewusst war, das Isydia keine Magie in sich trug…zumindest keine….ihm bekannte? Ihre wenigen Worte drangen in ihn…unaufhaltsam.

„Nun will ich ….in dieser Nacht….dein liebend Weib sein….ich bin dein und du bist mein…“

Und mit diesen Worten sank sie neben dem Bett auf die Knie und er folgte ihrem Tun mit dem türkisen Augenmerk. Aufrecht neben ihm kniend, machte er keine Anstalten sich ihr zu nähern. Als wollte er ihr die Gelegenheit lassen, es sich anders zu überlegen. Doch in ihren dunklen Augen lag die verschwommene Schwäche, die er sonst nicht an ihr kannte. Sie versteckte den Abgrund nicht…es war wie eine weitere Frau im gleichen Moment, am gleichen Ort und beide beugten sich zur gleichen Zeit vor und legten ihre Lippen auf die seinen…warm und voll und süß. Ganz anders, als die ordentlichen Küsse, die sie bisher gewährte. Es überraschte ihn nicht und doch bemerkte er, wie seine Lippen sich öffneten um mehr von ihr zum empfangen. Und seiner stummen Bitte folgend schob sich ihre Zunge…feucht und wendig in seinen Mund, als wäre es ihr ureigenes Recht dort zu sein und spornte im selben Zuge seine Männlichkeit an, sich ihr entgegen zu recken. Zu seinem Verdruss, hatte es doch zu seinem Plan gehört, sich ihr vorzuenthalten….sie an ihrer Weiblichkeit zweifeln zu lassen. Ihr Mühe abzuverlangen, bevor er in Betracht hatte ziehen wollen, tatsächlich die erste Nacht zu begehen. Doch sein Körper verriet ihn, in der ersten Sekunde was ihm ein Rätsel sein wollte, denn er war in Allen Situation der Herr. Derjenige, welcher die Kontrolle sein eigenen nannte…derjenige..

Ihre Hand stahl sich zwischen die Falten seines Gewandes, nur um mit ihren kühlen Finger zum umfassen, was sich in ihre Hände fügen  wollte. Jede Berührung ihrer Fingerspitzen auf seiner Haut, ließen diese kribbeln und er schüttelte den Kopf, weil ein Teil von ihm nicht verstehen wollte, was hier geschah. Sein Kopf suchte nach Selbstkontrolle…doch ihre Lippen an seinen küssten sie hinweg und was noch über blieb verlor sich in der schon fast zarten Bewegung ihrer Hand. Als ob es noch Mühe bedurft hätte ihn für sie bereit zu machen. Etwas in ihm erzählte ihm davon, dass es sich anfühlte wie sein erstes Erlebnis in den Fängen einer Droge.  Und eine stille Erleichterung machte sich in ihm breit. Gewiss hatte sie ihre Lippen benetzt, mit einem leisen Gift, das ihm alle Kontrolle nahm und während er dies dachte, fühlte er ihren Körper unter seiner Hand, wie er ihre Kontur berührte und ihn dabei ein wohliger Schauer erfasste. So gut ..so richtig….so wie ein Rauschmittel sein musste. Und nun wissend, dass es nicht seine fehlende Disziplin war, sondern ein Trick von seinem Weibe gab er sich den Gefühlen hin. Erwiderte ihr Küssen. Wandte sich, um ihr zu helfen sich von dem Stoff seiner Kleidung zu befreien. Er hörte ein leises Stöhnen von seinen Lippen, dass sich in ihr Atmen mischte auf so tiefe unanständige Weise, dass er glaubte für Wochen nie wieder Ruhe empfinden zu können. Sie kroch über ihn und er in sie….verworren zwischen den Kissen und den Fellen, war sie alles, was er zu fühlen fähig war. Ihre Worte flossen wieder und wieder durch seinen Leib.

[i] Ich bin dein und du bist mein[/i] und in diesem Rausch schien es ihm überdeutlich, dass es genau so war.Wahr.

Jafar verlor den Anfang und das Ende schlich sich an, …verwob sich mit einem Traum und floss gänzlich in diesem. So  dass er irgendwann nicht mehr wusste, ob er sich noch immer mit ihr durch die Nacht wand oder ob es nur noch der Traum von ihr war, der Besitzt von ihm ergriffen hatte. Ein zweimal erwachte er im Halbschlaf und fühlte ihren nackten Leib an seinem und ein seltsamer Schmerz machte sich daran ihn zu ergreifen und verlor sich wieder in dem wiederkehrenden Schlaf.

Irgendwann erwachte er und fand sich allein auf seinem Bett. Sein Bein schmerzte ungleich mehr, als sonst. Draußen war das Lager schon in stetige Betriebsamkeit  erfasst. Sie nicht neben sich liegen zu haben, entfachte eine unbändige Wut in ihm, bis e sich darüber gewahr wurde, was dazu geführt hatte. Die perfide List eines Weibes. Er hatte sie unterschätz. Obgleich ihm nicht einfielen wollte, welches Gift ihn so hätte berauschen können, war sein Körper doch mehr, als viele andere daran gewohnt. Und auch erschloss sich ihm letzten Endes nicht ganz ihre Motivation und auch nicht…wann sie denn Zeit gehabt hätte das Gift aufzutragen. Außer….sie hätte den Plan schon bei weitem früher geschmiedet und er hätte in jedem Wort nur das getan, was sie von ihm gewollt hätte.

Die Vorstellung manipuliert zu sein, wie ein junger unerfahrener Mann, machte ihn wütend und…..weil er so ein beherrschter Mann war….lächelte er und zog sich in aller Seelenruhe an. Er würde warten und sich revanchieren.

Und während Jafar in seinem Zelt finstere Pläne schmiedete, lag Isydia in Cailyns Zelt…gehüllt in dem Kleid der letzten Nacht und starrte  an die Decke des Zeltes. Eine Hand auf ihrem Bauch mit seltsamen Blick….Mireia saß neben ihr und wirkte besorgt. Keine Erinnerung daran, wann sie ihre Herrin jemals so gesehen hatte.

Irgendwann klang Isydias Stimme leise aber keinen Widerspruch duldend.

„Bring mir Salbei und Rosmarin…Arnika und Sadebaum…“ Mireia schwieg…..schwieg….presste die Lippen zusammen und die Worte die sich lösen wollten dahinter fest..dann stand sie auf und tat wie ihr geheißen.

 

 

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Korrumption

Oh Mann

Ich seh dich gern an und kann meine Augen nicht von dir lassen.

Ich will dich viel lieber noch weiter anfassen…

mit meinen Blicken, will ich dir zunicken

und dich verführen, mich auch zu berühren.

 

Oh Mann, oh Mann.

Ich fass dich wirklich gern an, und kann meine Hände kaum bei mir behalten.

Ich will sie stattdessen in dich hinein falten, Konventionen die galten int’ressieren mich nich‘

Komm schon zu mir und infiltriere mich.

 

Mann oh Mann.

Wie fang ich das an. Ich kann und will meine Grenzen erweiten.

Und mich durch dich zu neuen Ufern  geleiten,  wenn wir uns befreiten..könnten wir uns verlier’n

Und in diesem Zuge eine Welt inszenier’n

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All Eyes on Me – Caro

Ich hab was geahnt. Irgendwie. Spätestens nachdem sie mich verbrannt hat war ich mir sicher DAS es nicht echt ist. Etwas, dass mich schon mein ganzes Leben begleitet, dieses Gefühl in einem falschen Film zu sein. Die Menschen um mich herum waren schon immer nur in 2 D…und ich versagte daran meine Dimensionen in diese flache Welt zu integrieren. Manches mal, wenn ich mich darum bemühe….löse ich mich auf…wie damals mit Phillip. Da…dachte ich, es wäre vielleicht möglich…..so…zu sein….so flach und dennoch echt genug um mich selbst ertragen zu können….doch er bewies mir nur einmal mehr, wie sehr ich nicht bin, was sie sind. Sie alle. Die Menschen und die Welt. Und nun hier…offenbart sich endlich, wie sehr ich Recht hatte damit. Diese…sogenannte Wirklichkeit zerbricht mir Scherbe für Scherbe und zeigt ihr wahres Gesicht….und dieses Gesicht spricht mit mir. Gibt mir Hinweise….die ich in meiner Arroganz zwar sehe…aber nicht begreife.

Das Zimmer der Liebenden, in welche sie mich steckten…es hätte kaum absurder sein können…in dieser Sekunde hätte ich schon wissen sollen, dass es ein Gefängnis ist…ich liebe nicht und wenn…nur…etwas ebenbürtiges?

Die Bilder….aus meiner tägliche Welt… schon am ersten Abend war er dort am Boden und lächelte mich an…Charles…für mich lag er da um mich zu leiten..mir die Hand zu geben und mich raus zu führen aus dieser Farce.

Die Zusammenstellung der Menschen…das Phillip hier ist…und die Schwester der Toten, die in meiner Auflösung ertrank….

Das Filmposter von….I spit on your Grave. Eine Frau welche sich aus ihrer Hölle befreit und zur Hölle für die Anderen wird. Die Bilder sind mir ins Gehirn gebrannt…als sie sich erhob um sich zu rächen…erhob ich mich…um ihm anzutun, was er mir antat. Nicht im Zorn. In aller angemessenen Berechtigung.

Das Spiel…der Offenbarungen. Ich hab mich offenbart….nicht der Umstand meiner Tat…..sondern den Fakt, dass die Konsequenzen des persönlichen Leides, welche ich entfachte in mir nur vages Bedauern lösen. Simone auf dem Stuhl neben mir, verkörpert alles was ich nicht bin…gefesselt ist sie..stumm und voller Leid ob der Geschehnisse…während ich ein um das andere Mal Schmerz schenke…körperlichen und seelischen….ohne das es mich tief berührt..sackt sie mehr und mehr zusammen.

Ich weiß, dass Svenja sich rächen wird….in ihren Augen brennt der Hass mit jedem weiteren Wort das von meinen Lippen tropft….aber ich denke an Charles und lächel sie an…weil sie mir Gelegenheit gibt mir selbst zu beweisen, dass ich mich von aller Angst befreien kann. Das gibt mir ein Gefühl von Macht. Die anderen sind mir egal.

All dies hab ich gesehen und begriffen und dennoch taumel ich durch dieses Haus und das große Spiel und finde nicht raus….obwohl ich mir Mühe gebe mir zu beweisen, dass ich besser bin als sie. Dass sie mir nichts tun können. Dass ich frei bin. In meiner ureigenen Konsequenz begebe ich mich in die Hände der Frau, die mich töten will und wird…und es tat. Da war der Impuls in mir…zu schrein…zu fliehen…aber diese erregende Gefühl über meine Angst derart erhaben zu sein, dass ich ihr folgen kann…ohne aufzubegehren…ohne mich zu wehren….und damit die Rache, die süß sein sollte zu einem mauen erledigen verzaubere ….das lässt mich jeden Schritt zu dieser Musik tanzen.

Meine Wiederkehr…befreite mich von den letzten Fesseln an Mitleid, welche ich vor meinem Tod in mir fand. Mit der verbrannten Haut fiel…Fetzten für Fetzen…von mir ab, was mich noch in den zweidimensionalität festhielt. Wie jemand der Bereit auf der Startposition steht….aber nicht läuft, weil….das Signal zum loslegen fehlt.

Und dann seh ich in diesen Spiegel und lese…in Rot geschrieben….was ich schon wusste, aber jetzt erst begreife.

Prison is in your mind.

Seine Worte, die mich ein halbes Leben lang begleiten. Prison is in your mind…Cant you see..im free. Ich steh vor dem Spiegel, starr in mein Gesicht und die roten Buchstaben sickern in mein Bild von mir…und…alles macht Sinn. Mein Spielauftrag. Übernimm die Kontrolle….Jetzt. Kontrolle kann so viel bedeuten…aber nur wer frei ist von Angst kann nicht mehr von Aussen kontrolliert werden. Ich verstehe, dass ich hier nur noch bin, weil ich zwar weiß, dass es nicht echt ist…aber…ich nicht bereit war mich von diesem Gefängnis zu befreien. All das um mich herum setzt sich neu zusammen, in einem Verständnis, für welches ich keine Worte habe und mitten in meinen Dialog fügt sich Simone. Die Frau, die auch ohne Zwangsjacke und Knebel kaum stummer und gefesselter sein könnte….und mich überfällt ein wildes Gefühl von Verantwortung….ich begreife meinen Auftrag…jene um mich herum zu befreien, wie es Charles mit den Seinen tat und ich rede mit ihr und sehe wie meine Worte in ihr auf fruchtbaren Boden fallen und in dieser Sekunde liebe ich sie auf eine…ganz verdrehte Weise, wie eine Mutter ihr Kind lieben könnte…vielleicht. In ihren glasigen Augen spiegelt sich meine Welt und ich fühle mich etwas weniger allein…ich weiß…mit absoluter Sicherheit, dass es das ist was ich will…von jetzt an in alle Zukunft….Menschen in welche ich seine…meine Saat pflanzen kann.

Wir gehen zurück zu den anderen und ich lasse sie für sich…Zeit um zu gären. Die anderen alle spielen das….ich gestehe was ich tat Spiel und ich hege nicht im geringsten ein Interesse daran mich diesem Tun zu fügen. Obwohl es einige Aspekte an den Geständnissen gibt, die einem gewissen Witz nicht entbehren. Die ach so heilige Margit die Menschen für Geld tötet erheitert mich. Oder die Empörung, die Patrick mit seinen Worten in den Gesichtern der anderen löst…das zieht mich an. Seine Bereitschaft über das Missfallen der anderen Geschöpfe in aller Selbstgerechtigkeit hinweg zu trampeln ist mir Sympathisch.

Die meisten Geschichten langweiligen mich nachhaltig und ich mache mir nicht die Mühe Interesse zu heucheln, allerdings…und es ist mir nicht geplant….als Phillip zu reden beginnt regt sich in mir Widerspruch. Obwohl ich ihn schon nachhaltig aus meiner Realität wischte gelingt es ihm mit seiner impertinenten Ignoranz meine Abscheu zu schüren. So sehr, dass ich ihm ins Wort falle….zu meiner neuen Freiheit soll auch gehören die anderen Wissen zu lassen, wie sehr sie mich anwidern. Phillip soll wissen, wie sehr er mich anwidert. Vielleicht auch…..wie sehr es mich verletzt hat…dass er mir genug war…um ihm mehr von mir zu zeigen und er sich daraufhin zurück zog und mich in seiner Idiotie zu einem Therapeuten zu schicken. Was verstünde ein zweidimensionaler Psychiater schon von meiner drei dimensionalen Welt?

Als ich mir bewusst darüber werde, wie sehr mein Herz klopf und wie wenig er versteht befällt mich die Angst so lächerlich und jämmerlich zu sein wie der Rest und ich tu…was ich immer tu. Die Augen schließen…bis drei zählen und ihn aus meiner Welt nehmen. Meinen Platz finde ich neben Patrick mit dem Gefühl in der Brust, dass dieser…vielleicht….keine Angst vor mir hätte. Doch bevor ich diesem Gedankengang folgen kann…höre ich wie mein jüngstes Kind spricht….von sich….und den Dingen die sie zerstört haben und als sie geendet hat sucht sie meinen Blick…so wie ich den ihren suche. Tränen stehen in ihren Augen. Angst…sie zittert und ich fühle mein Herz mit ihr schlagen. Wortlos flüstern meine Lippen die einzige Wahrheit. Prison is in your mind.

Sie nickt..blinzelt….Unsicherheit. Ich seh….sie sich winden…aus meiner Welt verschwinden und wieder kehren. Nochmal fragen. Soll sies wagen..soll sies tun? Nun…ich lächel schief und deute ein Schulterzucken an. Es ihr zu befehlen ist nicht das Spiel….es geht darum ihr zu zeigen, wie sie sich selbst befreien kann. Und sie tuts. Sie dabei zu beobachten macht mich atemlos….noch mehr als Phillips Kuss….noch mehr als das Feuer, welches das Kino verschlang…mehr noch..als jenes, welches mir mein Gewissen aus dem Leib brannte. Wie sie zögerlich ihre Schritte zu ihrem Geliebten tut….das Beil erhebt und sich von ihm befreit fühlt sich an wie Feuer und Eis im gleichen Maßen. Beinahe hätte ich Patricks Hand genommen um mich zu halten…so ergriffen von ich von diesem Moment in aller Intensität.
Der Rest….vergeht…dahin. In meiner Selbstzufriedenheit bin ich bereit und nur vage überrascht, als wir uns erfahren lassen was mit uns geschah….zu sehen wie der Kreis sich schließt und alle Fragen klärt bis auf eine. Wer hat das goldene Ticket.
Ich bin mir so sicher….so gott verdammt sicher, dass ich gehen kann…jetzt….da alles geklärt ist. Jetzt da ich die Kontrolle übernommen habe und meine Bestimmung erkannt. Jetzt da das Monster aus seiner Haut gekrochen ist und ich endlich beginnen kann der Welt dort draussen zu mehr Tiefe zu verhelfen. Ich weiß so sicher, dass die Tür sich öffnen wird, als ich mit dem Ticket, dass ich in einer liebevollen Berührung aus Patricks Obhut nahm……die Klinke drücke. Und sie…………sich mir verwehrt. Da will ich schrein und nur die blose Disziplin, niemanden meinen Irrtum einzugestehen..vielmehr…meine Enttäuschung darüber, dass ich mich täuschte..nur dies lässt meine Lippen still schweigen.
Lass ab von der Tür…ich folge mir die Treppen rauf…steh neben mir…so wie andere, die mir aus dem Weg gehen. Den Gang hindurch…den Raum..raus auf den Balkon….[http://www.youtube.com/watch?v=5Q7EBb5g8lQ]
~Du willst etwas gestehen
doch der Wind frisst jedes Wort
das du sagst.
Ein Strom, der sich alles einverleibt
taumeln, stürzen, in der Leere schweben.
Du sagst, das ist alles, was bleibt
du sagst, das ist, was es heißt
zu überleben.~
Kalt ist es, aber was tut das schon. Da ist noch jemand..der redet, aber sie werden gleich gehen..ich sehe es..ich sehe hinab und verstehe, dass loslassen….das Einzige ist..was mir helfen wird…der Wind zerrt schon an mir. Einmal um mich selbst gedreht…steh ich nur draussen und blick hinein. Die Anderen an…die an ihrer Existenz festhalten, während ich schon über dem Leben schwebe…so weit weg, dass ich sie beinahe nicht mehr erkennen kann. Das ist meine Welt…getrennt von Leben. Alle weiteren Schritte sind wie in Trance.
Ich geh hinein…will schrein…und kann ihr sinnloses ängstliches paddeln nicht ertragen…sie singen ihr Kumbaya und ich fliehe …mit meinem Ticket ….Patricks Ticket und er folgt uns. Kein Vorwurf ob meinem Diebstal…er..hätte es..hat es….tat es nicht anders. Die Musik spielt in meinem Kopf und er ist geschäftlich….wird echter in meinen Augen, als ich erkenne, dass er mich nicht verrückt findet…zumindest nicht so maßgeblich, dass er mich wegstoßen müsste. Was….sagst das über ihn? Wär ich zweidimensional, hätt ich diesen Augenblick verwendet um ihn zu küssen, aber….ich bin da nicht gut drin…wars noch nie…das zwischenmenschliche ist mir fremd…wenns ernst wird. So leg ich nur meine Hand auf seine Brust und lausche seinem Herzschlag. Auch er liegt gerade in einer anderen Welt im Sterben. Wie wir alle…ich werde hier mit ihm warten bis dies hier gänzlich zerbricht und dann…werden wir sehen, ob die Welt uns dulden kann. Ein paar Tage noch und du lernst mich zu verachten. Victoria ist da und ich fühle mich auf seltsame Art heimlig…der Arzt schüttelt den Kopf…der in dem blutigen Kittel..ich….verstehe, dass dies ein Echo aus der echten Welt ist und weil es sein Wille ist…folge ich ihm…ohne weiteres Wort. Erinnere mich noch an seine sachten Berührung, wie er meinen Puls fühlt…das überbordende Mitgefühl..die Sorge…all das, was ich nicht kenne.
Die Statisten..die Anderen beginnen mit dem Töten…während die Letzten noch ihr Gewissen befreien..befreien sich die Ersten von ihrem Gefängnis. Leben ist sterben und sterben ist Leben. Victoria sagt es wird Zeit..ich wollte warten…einen Moment sogar überlegte ich…ob ich nicht warten sollte bis alle tot sind um es selbst nicht zu tun…dann hätte ich endlich eine Welt für mich allein..die mir gehört. Frei.
Doch es geht seinen Weg. Ich empfinde kein Mitgleid…verliere die Übersicht…kein Bedauern, als ich Ty töte..natürlich nicht…noch Angst, als Victoria mir das Messer schenkt…vielleicht….vielleicht darf ich sie in der echten Welt behalten, will mich noch drehen um Patrick zu sehen, da…verändert sich etwas und mir wird kalt.
Stimmen..Sirenenheulen..ich glaube die Hände des Arztet an mir zu fühlen…jemand der sagt, dass sie es nicht schafft. DAss sie stirbt. Sie.
Sie…das bin ich.
Fühle wie mein Herz klopf….ganz intensiv…ich fühl mich lebendig…noch 5 Sekunden.
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frei.

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Eine Form von Romantik

Nun.

Da steht sie mit ihrem langen dunklen Haaren, ihre Hände sind blutig, ihr Gesicht schmutzig…die Kleidung zerissen. Sie wird hingerichtet werden. Sie hat versagt.
Sie steht einfach nur da, läuft nicht…schreit nicht, ich wäre fast versucht zu behaupten, sie ist sich gar nicht im Klaren darüber, dass sie sterben wird. Also…endgültig.

Hinter ihr erklingen die Schritte dieses großen Mannes, ihr Kopf wendet sich nur ein wenig, als hätte sie in der Bewegung vergessen, dass sie sich umsehen wollte um ihrem Mörder entgegen zu sehen. Beinahe hätte ich sie dabei aus meinem Blickfeld verloren. Doch sie wendet sich nicht wirklich…sie weiß, er kommt zu ihr…ohne Eile…ihr Blick richtet sich wieder gerade aus und sie sieht mich an.
Ich verstehe sie.
Sie hat nichts falsch gemacht, sie sieht die Welt nur anders. Manchmal mit meinen Augen.
Der Mann vor ihr..beinahe schon zwei Köpfe größer als sie verspürt keinen Groll gegen sie…es ist nichts persönliches, sie ist nicht die Erste….sie wird nicht die Letzte sein. Eine von vielen.

Das will sie nicht sein und löst sich von mir um stattdessen ihn anzublicken…in dem Blau seiner Augen zu ertrinken, bis sie atemlos und still dem entgegen treten kann, was zu verhindern nicht mehr in ihrer Macht liegt.
Er hat keine Furcht den Blick zu erwidern, eine Form von Respekt. Er wird das nicht einfach hinter sich bringen….nicht heimlich still und leise, als wäre es niemals geschehen..nicht so, dass er es vergessen wird. Er wird sie mit allem töten was er ist..mit seinem Tier..mit seiner Gewalt…er wird sie in einem Streich mit aller Kraft zerreissen..in aller Liebe.

Dann stehen sie da, wie zwei alte Freunde….der Rest umher existiert nicht mehr, nur noch das Schwarz und das Blau und das Rot, dass unter der Oberfläche wartet offenbart zu werden. Ich seh sie nicken….und ihn damit verzaubern.
In noch dem gleichen Augenblick verwandelt sich dieser seltsame tierhafte Mann in ein Monster. Wo disziplinierte Züge keine Auskunft über seine Gefühle gaben klafft nun ein tiefes Loch an grotesker Wut die er aus dem Nichts gerissen hat. Seine Zähne fletschen sich, seine Muskulatur gebiert das Tier, das in ihm lebt und lässt es mit seiner Gestalt verschmelzen. Verwandelt Hände zu Klauen und ein Lächeln in eine Fratze mit Fangzähnen.

Nur das Blau seiner Augen bleibt unberührt und lässt sie wissen, dass der Mensch…der Mann noch da ist…noch teil nimmt….wissend was geschieht.
In der nächsten Sekunde wird alles vorbei sein…doch ich…weil ich die Welt anders sehe…ich nehme die Fäden der Zeit und lockere mit meinen Fingerspitzen die Maschen….verschaffe mir Momente in denen ich in Ruhe betrachten kann, was er tut…mit ihr.

Es beginnt damit, dass sie den Kopf hebt und etwas beiseite legt…während er schon den kurzen verbleibenden Schritt zu ihr zurück legt….seine Klaue erhebt um Kraft in den Hieb zu legen der Kommen wird. Ihr ebenholzschwarzes Haar folgt der Schwerkraft und gleitet beiseite…wie ein Vorhang der sich für das Publikum öffnet. Entblöst das Weiß ihrer Haut…ihres Halses…er löst den Blick nicht von ihrem…er muss nicht sehen wohin er geht…er fühlt es in sich…Instink.

Noch weiter trenne ich die Maschen…weil ich es kann….und fühle fast…diese allererste Sekunde, da die scharfen Krallen ihre Haut erstmals berühren. Für einen stillstehenden Moment ist diese Berührung so zart, wie eine vorbeistreichenden Feder.

Fernab jeder Gewalt…verloren in der Zeit, wäre diese Nähe in dieser Sekunde einer Liebkosung gleich…Und als wäre es eben das, öffnen sich ihr Mund um das letzte Mal…so unnötige Luft in ihre Lungen fließen zu lassen…nicht um zu überleben…sondern um ihm etwas zu schenken…gleich…
Der Sekundenzeiger quält sich weiter und seine ach so sanfte Berührung zwingt ihre Haut sich zu beugen, sich zu winden..sie weicht ein wenig nur zurück…bevor die Spannung bricht und er in sie dringt…sich unaufhaltsam in sie hinein schiebt…

Das kalte dicke Rot quillt hervor und lässt das Tier in ihm grollen und johlen…ihre finger spitzen strecken sich…als suchten sie nach Halt…ihre Augen weiten sich und er lässt sie nicht mehr gehen..sie gehört schon ihm…
Kurz bevor er ihre Luftröhre durchtrennt mit seiner Zärtlichkeit, fällt noch das Seufzen von ihren Lippen..leise und zart..als wolle sie das Tier, das sie vereinnahmt mit Sanftheit betäuben. Nur für ihn bestimmt. Odem.

Wie nahe kann man sich sein?

Ich sehe…wie er bei ihr steht…seine Hand in ihr..in ihrem Hals nach oben gerissen von der Wucht die er selbst hinein legte und wie er sie damit schweben lehrt..wie ihr Leib sich vom Boden hebt..mit seiner Bewegung um dann…als er ihren Kopf entgültig von ihrem Rumpf reisst…einfach am Boden zusammen zu sacken…als wäre er nicht mehr wichtig.
Sekunden später fällt der Kopf hinterdrein.

Die Augen sind noch offen.
Die Haut weiß wie Schnee.
Die Lippen rot von Blut
und das Haar schwarz wie Ebenholz.

Er brüllt
Der Spiegel, in welchem ich mich betrachtete ist noch ganz..ich nicht…ich bin zerbrochen.
Endgültig.

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Als der Schnee fiel…

Das war, als der Schnee fiel.

Leise und weiß und kalt…berührte er die Haut und zerbrach an dem Leben darunter. Schmolz dahin und fand seinen Sinn darin, sich an dieser Wärme zu verlieren. War nicht mehr selbst – nur noch ein Teil…die Oberfläche benetzend..sich verbindend mit jenen, die ebenso an diesem Herzschlag zu Grunde gingen.

Einem Gemälde gleich schlichen diese Toten wie Tränen hinab und malten dieses Antlitz so zerbrechlich…so vergänglich..als wäre es selbst nur ein Konstrukt, das drohte unter der nächsten Berührung zu zerfließen.

Das war, als der Schnee fiel.

Damals war die Nacht entfacht von flackernden Kerzen. Flammen tanzten hinter Glas, im Kamin oder balancierten von  schwarzem Docht gebettet auf dem Tannenzweig. Jederzeit bereit sich über die geschenkten  Grenzen hinweg zu setzten…aufzugebegehren und alles zu verzehren was nicht respektvoll Abstand hielt. Willig alles zu fressen und in Staub zu verwandeln, dessen Kühle und Härte nicht die eigene Hitze überragte.

Wie grausam es doch war…damals…als der Schnee fiel…in jener Nacht, in welcher die Zimtgeschwängerte Luft schon von der kommenden Weihnacht kündete – die Stille der Nacht den Tod soviel näher rückte, als das Leben im Inneren ertragen wollte. Da suchte dieser Leib vom Takt seiner Natur getrieben nach der Hitze, die ihm Leben schenkte und haderte nicht der Gefahr, die in dieser Flamme lauerte.

Damals….als der Schnee fiel.

Von dem verblichenen Weiss durchnässt lagen dünne Strähnen auf dem Gesicht wie Risse und wollten dem Betrachter glauben machen, es wäre gebrochen wie ein alter Stein.

Und diesem gleich, schien die Mimik unberührt, verführte einen es anzufassen, selbst zu erleben, ob es wohl so hart wäre wie Stein

so heiss wie das Feuer

oder so vergänglich….wie..der Schnee der fiel.

 

Da war eine Hand die sich streckte

eine Flamme die sich reckte

In einem See aus altem Schnee entstand ein Bild das sich neckte

Es schien schlicht, nur ein Gesicht

doch auf diesem…mein Herz…schmolz der Schnee nicht.

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Ordnung ist das halbe Leben…

Ich bin ja ein kreativer Mensch und wie man weiß, tendieren kreative Menschen zu ähm…einer flexiblen Raumgestaltung. Und weil mein Männe ein guter Mann ist versucht er mir die Grundlagen der Ordnung nahe zubringen. Und weil ich ansich seiner Meinung bin wehre ich mich da auch nicht. Er sagt zb:“Wenn du etwas benutzt hast, räum es doch einfach wieder dorthin, wo dus her hast“ (erschreckend, dass mir solche Gedanken nicht von allein kommen)
Ich steck da noch in den Kinderschuhen, aber ich bemühe mich irgendwie ja doch ein nettes Mädchen zu sein und räum auch mal was weg, wenn ich theoretisch lieber rum sitzten tät. In der Küche klappt das ganz gut..manchmal…*G*
Jedenfalls.
Meinen Urlaub habe ich mit Mann und Kind verbracht, d.h., die letzten 14 Tage war ich zumindest tendenziell um mehr Ordentlichkeit bemüht, als ich es gewesen wäre, wenn ich allein für mich daheim gesessen wär.
Lange Rede*G*
Der Mann und das Kind fuhren heute um 10 Uhr los zurück Richtung Bochum und die Andrea geht hoch in ihre Wohnung. Dort besucht sie das Badezimmer und legt eine Halskette dorthin wohin sie gehört und räumt Papier weg, stellt Duschgel auf den ‚Dort-steht-das-Duschgel‘-Platz und schiebt die Zahnpaste in den Becher mit den Zahnbürsten…und beim rausgehen, lässt sie erst einen Hausschuhschlappen, einfach unterm gehen im Bad zurück..und den zweiten Hausschuhschlappen dann mitten im Flur..mit einem leisen zufriedenen Lächeln auf dem Gesicht…weil sie das jetzt tun kann und keiner merkst…*G*
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Bestimmungsgemäß

Das ist es dann.
Alles Drogen. Ablenkungsmaßnahmen. Betäubung.
Alles scheint mir austauschbar. Unecht.
Um dieses Gefühl in mir los zu werden, müsste ich nur nach draußen gehen, Spazieren gehen. Eine Freundin anrufen. Mit jemanden darüber reden, selbst wenn ich den Eindruck habe, derjenige kann mich nicht wirklich verstehen wird es helfen. Reden hilft immer irgendwie – aber mein Problem löst es nicht. Es ist…als klebte ich einfach ein Pflaster auf die Wunde…und dann, dann tu ich so als wäre sie nicht mehr da. Das ist doch kein Lösungsansatz?
Ich beneide die Menschen um mich herum, die sich einer Religion hingeben können. Ja..natürlich könnte ich es auch tun. Buddhist werden, oder ein echter Katholik…ein Jude? Das ist schon das Drama, denn es macht für mich keinen Unterschied. Es ist alles gleich für mich. Austauschbarkeit. Kann eine Bestimmung echt sein, wenn sie austauschbar ist?
Meiner Meinung nach nicht. Zu wissen, wohin ich will mit meiner Existenz, etwas zu tun, dass mich tatsächlich erfüllt, dass kann doch nicht austauschbar sein?

Es gäbe genügend Dinge, die mich für den Augenblick besänftigen, ablenken….betäuben. Die Worte hatte ich schon..nein?
Genügend gibt es davon.
Jetzt da ich hier sitze und schreibe, darüber hadernd, was es denn für einen Sinn haben kann.
All die Menschen um mich herum, die ihren Problemen nachjagen….wie überlebe ich. Wie bekomme ich meinen Job. Wie schaffe ich diese Prüfung. Wie bekomme ich ihn oder sie zurück, wie werde ich ihn oder sie los, ohne ihm weh zu tun? Wie sehe ich mein Kind öfters, wie schaffe ich es diese Krankheit zu überleben?
So viele Menschen, so viele Probleme.
Ich habe auch Probleme und wenn ich welche habe und darüber Grübele, dann bin ich beschäftigt…abgelenkt..betäubt.
Aber offenbar bin ich gut darin meine Probleme in den Griff zu bekommen…und habe damit die Gelegenheit mich selbst als Problem wahrzunehmen. Falsch.
Weil ich gut darin bin meine Alltagsprobleme in den Griff zu bekommen, habe ich Zeit mir Probleme zu machen die ich nicht so einfach lösen kann.
Ist das nicht clever?

Die Gedanken martern mich regelmäßig….wozu das ganze. Das Leben hier. Ich fühle ich wie ein Licht, dass kurz leuchtet und dann wieder verglüht, ohne dass es weiter wichtig gewesen wäre, dass ich einmal glühte.
Natürlich…bla bla…entfache ich mit meinem Licht andere und pflanzt sich mein Feuer weiter und ich verlösche nicht ganz.
Gut in der Theorie…aber praktisch bleibe ich daran hängen, dass…ich austauschbar bin. Wenn es nicht mein Feuer ist, dass andere entflammt und sich weiter pflanzt, dann ist es eben das Feuer jemand anderes. Austauschbar.
Ich sollte ein Buch lesen.
Einen Film sehen.
Ein Spiel spielen.
 Freunde treffen.
Rad fahren.
Kochen.
Spazieren gehen.
Malen.
Schreiben.
Dinge tun..die mich…beschäftigen, ablenken………betäuben.
Nein.
Es fühlt sich nicht an wie betäubt sein, wenn ich solche Dinge tu. Meistens fühlt es sich gut an. Nur in Augenblicken wie diesen (Minuten, Stunden..manchmal tagen)…nur in Gefühlszuständen wie diesen…ist all das, was ich tun kann um mich in mir besser zu fühlen, nicht mehr, als eine Schmerztablette.
Indem ich mich beschäftige entziehe ich mich dem Problem keine Sinn, keine Bestimmung zu haben.
Damit komm ich doch nicht weiter.

Was ich mir wünschen würde ist ganz klar.
So einfach wie unrealistisch.
Ich wünsche mir das Gefühl von Klarheit…..
JA…ja, dass..DAS ist das was ich tun will…das erfüllt mich. Ein helles Licht, dass mir die Richtung weißt..
Ich weiß nicht, ob dass, was ich dann tu..sinnvoll sein  muss, es muss sich nur sinnvoll an fühlen.
Ist dass dann auch schon wieder Selbstbetrug?

Es gibt Dinge, die machen mich glücklich, wenn ich sie tu. Aber Erfüllung?
Tanzen…tanzen macht mich irgendwie glücklich. Erfüllt mich….aber kann ich immer nur tanzen? Und vor allem. Es gab mal eine Zeit, in der ich mich nur drehen musste und alles war in Ordnung..beim Tanz….heute…..heute ist es oft nur….etwas das ich erledige?
Keine Ahnung.

Mir fehlt etwas und ich kann es nicht fassen.

Mein Körper läuft rund,
mein Kopf nicht.

Wenn heute ein fremdes Wesen zu mir käme, mich an  der Hand nähme und sagte: Komm mit, du bist die Auserwählte…mit dir verändert sich alles, du hast die Macht das Schicksal unserer Welt zu drehen…“

Dann würde ich vermutlich vernünftiger Weise etwas sagen wie: Ähm..ich kann meine Mutter/Familie und meinen  Freund,meine Freunde nicht einfach so zurücklassen. Was ist mit meiner Verantwortlichkeit hier?“

Das ist jämmerlich.

Wie soll ich da raus kommen.

Aus meiner Gebundenheit an dieses System, an all dies. Meine Drogen, meine Ablenkungen, meinen Betäubungsmitteln…
Wie soll ich loslassen und finden, für was ich gut bin, wenn ich nicht wüsste, ob ich gehen könnte.
Das was mich so erbärmlich traurig sein lässt, ist die vage Ahnung, dass es keine Bestimmung gibt. Das es nur das gibt, was ich aus mir mache und das stellt sich für mich als Problem dar.

Ich dachte mal, ich wäre nicht fähig mich auf einen Menschen einzulassen, dass es so was wie eine innige vertrauensvolle, ehrliche Beziehung nicht gibt. Nicht wirklich. Im Prinzip hab ich mich getäuscht. Es gibt sie schon, es wird nur nicht geschenkt, du musst dich durch all die Probleme durch ackern, die schlechte Beziehungen auch haben, aber dass du es tust und wie du es tust, bindet dich entweder mehr…oder löst dich mehr von dem Menschen mit dem du gehen willst.
Echte, immer währende Liebe ist kein Zustand, den dir Gott, ein Alien oder eine Märchenwelt zuteil werden lässt. Es ist etwas, dass man selbst wählt und hegt und pflegt und erarbeitet.
All inside your head.
Kein Geschenk.
Ein Geschenk kann es sein, den Menschen zu finden, der da ähnlich motiviert ist und soweit mit sich im reinen, um sich mit dir einzulassen…. aber der eigentliche Teil ist wohl, etwas daraus zu machen.
Hab ich kapiert. Arbeite ich daran.
Aber das mit der Bestimmung fällt mir schwerer.
Es läge wohl der Schluss nahe…dass auch die eigene Bestimmung…jene Sache, die einem Erfüllt und glücklich macht….genau wie die lange Liebe..nicht einfach vom Himmel fällt und sagt: here i am…take me now!“
Sondern, dass…es..hm….etwas ist, dass ich tun will..erreichen will…etwas woran ich arbeiten muss, obwohl es keinen Spass macht manchmal. Das eine Bestimmung kein Geschenk ist, sondern….vielleicht eine Wahl.
Vielleicht eine Wahl.

Aber wie kann ich wählen, wenn mir alles gleich scheint.
Wenn es für mich keinen unterschied macht, ob es blass ist oder kräftig. Kein Unterschied, ob ich male oder schreibe.
Keine unterschied, ob ich lese oder laufe.
In dem Augenblick des Tuns macht es natürlich einen unterschied.
In dem Augenblick des Betrachtens nicht.

Ich fühle ich, als stünde ich vor einer Wand.
Als könnte ich …als wäre ich fähig, mein Ding da in Angriff zu nehmen und dennoch nicht fähig zu erkennen.
Wie blind im Blumengarten stehen und sich fragen ob es schön bunt ist hier.

Das schreiben hilft.
Ein wenig, als säße ich beim Psychologen.
Gedanken öffnen und drehen sich.
Da weiß ich immer noch nicht, was meine Bestimmung ist. Mein Sinn. Mein Grund. Meine Erfüllung.
Aber ich ahne, dass es kein Geschenk sein wird, nichts dass mir zufällig passiert, sondern etwas, dass ich mir erarbeiten muss.

Die Frage lautet: Wie.

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Fpaff am Arbeitfplatf

An fast jedem Tag in der Arbeit denke ich mir: „ Merk dir das!“ und eine Sekunde später ist dann auch schon verschwunden. Viele davon ist ganz bestimmt auch Situationskomik…aber egal, da ich weiß, dass mein Bekanntenkreis im Allgemeinen unter 'leute mit Schaden' fällt, kann man sich solche Situationen auch schon vorstellen.

Meine Arbeitskollegen, sind …dafür dass es Männer sind…bemerkenswert aufmerksam. Zum Beispiel ist es ihnen nicht entgangen, dass ich seit jüngstem eine Zahnlücke in meiner vorderen Zahnreihe mein eigen nenne. Natürlich trage ich aus Peinlichkeitsgründen eine Prothese, die genau dies zu vertuschen sucht. Die Sache ist nur….mit der Prothese lispel ich und wer den Schaden hat..ne?…der muss bekannt nicht für den Spott sorgen.
So kommt es, dass mich meine Kollegen neuerdings gerne fragen, ob ich von allen den zu Verfügung stehenden Autos (die wir brauchen um aus Vorfeld zu fahren)…nicht am liebsten den Buff hätte.
Kollege:„Buff..möchtest du den Buffs haben Andrea?“
Andrea: „Danke ich nehm den Caddy…“

Auch wird das Werkzeug  'Fraubenflüffel' deutlich öfter benötigt als früher, aber das nur nebenher.
Durch feltsame Lebenfumftände war ich genötigt am 31.Oktober ohne Prothefe in die Arbeit zu gehen. Zahnlückig wie eine Dreijährige. Sie haben es lockerer aufgenommen, alf ich vermutet hätte. Der Allgemeinen Konfenf war, dass mein Hexenkoftüm gut gelungen wäre….

Heute Morgen..also in den Sonntag reingearbeitet war es relativ gemütlich. Die Flugzeuge konnten gut bearbeitet werden des Nachts und gingen spät morgens raus, so dass wir Zeit hatten beisammen zu sitzten.
Alle relativ müde, aber gut gelaunt.
Wir unterhalten uns so über einen Lehrgang der in Helsinki statt finden soll.
Kollege: „Helsinik ist im Winter grässlich, ist ja nur dunkel dort.“
Andrea: „Ja….helsinki, heisst auch nicht umsonst so….“

Das fällt ganz gewiss schon so ein wenig in die Sparte Situationskomik rein, aber kennen tuts bestimmt jeder. Es gibt so eine Stimmung, da ist..egal was….ein echter Brüller und alles ist am gackern und am lachen. Während wir also noch über den Helsinki spruch kichern…kommt ein Kollge von Draussen rein, der seines Zeichens aus dem Allgäu stammt.
Darum heissen die Leute auch 'Allgäuer'…was sich in Bayerischen Mundart ein wenig anhört wie 'Allgeier'
Und der Kollege aus dem Allgäu kommt eben rein und murmelt Dinge die keiner versteht und seine Haare stehen lustig durch die Gegend und wir finden ihn schon lustig, weil er grad einfach so ist, wie er ist und dann in die Stille hinein sagt einer der Kollegen:
„Seltsame Federvieh mit 8 Buchstaben…“
Kurzes Schweigen und dann ist alles am Gröhlen.
„Allgeier“

Und nur damit nicht das Gerücht aufkommt, meine Kollegen hätten Niveauvollen Humor…

Heute Morgen fährt uns ein Kollege aus der Frühschicht in einem kleinen Bus zu unsere Parkplatz.
Weil müde, sind wir alle eher schweigsam und plötzlich fragt ein netter Mann aus meiner Schicht, den nichtsahnenden Mann aus der fremden schicht der uns Fährt.

„…du Zuckerschnecke..hat dir eigentlich schon mal jemand mit einer Zahnlücke einen geblasen? Wenn nicht, wäre DAS die Gelegenheit…..“

Ja..ähm…No comment.

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Ganz schön alt!

Es ist Samstagabend.
Meine Spätschicht ist zu Ende und ich stehe vor diesem Problem.
Ich will tanzen, aber ich will keine 80 km nach München fahren.
„Na“ denk ich mir. „…geh ich halt in Landshut weg.“

In Landshut.
Nun gut. Seit ich aufgehört habe 16 Jahre alt zu sein, ist es mit meinem Wissen um die heimischen Tanzgelegenheiten schlecht bestellt. Obwohl es..bestimmt?..mehr Discotheken gib, sind mir nur mehr zwei bekannt.
Die eine ist in den Räumlichkeiten einer Disse die ich früher ab und an besucht haben. Da waren Alternative drin und Punks und Gothics und Rocker und ein paar Skar-ler und die dazwischen auch. Alles Geschwerl eben und das wollte der Besitzter nicht mehr und hat was aufgezogen, wo nur das Gegenteil rein geht. Ich war da nicht drin…ich will da aber auch nicht rein.

Da bleibt mir als einzige Alternative nur noch DER Unterhaltungskomplex in Landshut.
Das CCL…City Center Landshut.
Und eben jenes hat eine Deckenbeleuchtung.
Vielmehr eine Discothek namens Deckenbeleuchtung…natürlich auf English, weil English viel Cooler ist!
Also im obersten Stockwerk dieses CCLs ist eine Disse und ich stell mich unten an die Kasse und der Türsteher macht auf und sagt:
„Hast du nen Raucherausweis?“
„Ich rauche nicht“ erwidere ich.
„Aber du brauchst so nen Ausweiß zum reinkommen….hast du nen Perso dabei?“
„Ne..“ sag ich. „…soll ich den jetzt holen?“ Ich weiß ja, dass ich beweisen muss dass ich über 18 bin, aber Lust zum Auto zu gehen hab ich nicht.
Der Türsteher guckt mich so an…und öffnet dann wortlos die Tür um mich rein zu lassen.

Als unter 18 geh ich nicht mehr durch…verdammt.

Ich rufe den Aufzug…husche hinein….und beginne mir Sorgen zu machen. Es klingt als wäre ich in einer Fabrik.
Dukk dukk dukk dukk…ich glaub die Fahrerkabinen bebt im Takt?
Angst?
Jedenfalls….ab in den 6ten Stock…(es wäre auch zu peinlich wenn die Deckenbeleuchtung im Keller hängt ne?)…Mantel abgegeben und rin in den Club.
Es ist…..okay. Der Raum ist nicht riesig, hat aber zwei Bars, ein pompöses DJ Pult. Holzboden immitat und diverse Sitzecken. Durch die noch nicht verrauchte Luft tänzelt Laser licht und..an der Decke sind…2…4…ähm..8…nein 12….herrje…16????? glitzernde Diskokugeln… Ich bin mir nicht sicher und ziehe in Betracht,dass es vielleicht nur eine ist die mit einem raffiniertem Spiegelsystem so vervielfacht wird…weil…wer zum Kuckuck bräuchte denn 16 Diskokugeln?
Nur nicht zu kritisch sein. Dafür dass ich eigentlich so eine Gothik/Indipendet tante iin, gefällt mir der Sound ganz gut. Erinnert an Noise mit zuviel Melodie…zum tanzen ist es auf alle Fälle gut.

In ländlichen Gegenden, wie Landshut..ist die Tanzfläche üblicherweise leer, bis sich jemand rauftraut. Dann huschen die Anderen hinterher. Ich bin für sowas immer die richtige Frau…weil mir ist ja total wurscht, was andere von mir denken..und so wundert es nicht, dass ich asap auf der Fläche steh und im Takt zucke.
Ganz allein.
Macht ja nichts, es sind ja schon viele Menschen da die mit dem Fuss wippen. Ich habe auf anhieb mindestens 3 Schulklassen identifiziert…also Menschen zwischen…sagen wir 16 und 20. Jungs, deren Hosen auf halben Arsch hängen aber darüber Hemnd mit Pullover tragen.Ne Menge Turnschuhe. Die Fraktion mit den coolen ausländischen Mitbürgern die sich abgesprochen haben und irgendwie alle weiß tragen…passt ja auch gut zur dunklen Haut ne?
Die ersten Weibchen sind von der Sorte, die ich immer Fragen möchte ob sie denn schon so alt sind, wie sie sich schminken…aber als sich so ein Viertel des Raumes auf die Tanzfläche bequemt bin ich angenehm überrascht…weil die haben richtig Spass und tanzen ohne sich drum zu kümmern wies aussieht. Finde ich nett.
Mich finden die Jungs wohl auch ganz nett. Zumindest stehen sie so hinter mir im halbkreis und sind…jungendlich männlich oder so. Ich weiß ja nicht was hinter meinem Rücken passiert und kann das ignorieren…allerdings löst sich so ein jungspund aus der gruppe. Nike Turnschuhe…so ne Jeans…und ein schwarzes ärmeloses shirt um seine…im Entstehen begriffene Muskeln zu zeigen.
Der Kerle stellt sich so knapp 10 cm vor mich hin, stemmt die rechte in die Hüfte…fährt sich mit der linken durchs Haar…da könnt David Hässlichdoof von Baywatsch glatt neidisch werden….und sieht mich an.
Ich gestehe…es verunsichert mich kurz.
Was erwartet er da von mir..dass ich applaudiere?
Nicht genug! Er tanzt/hüpft ein wenig und dass in meine Richtung…den ohnehin geringen Abstand bedenkend, wird mir das zu nah und ich tanz meinerseits etwas seitlich weg.
Reicht ja als Abfuhr.
Denk ich mir so.
Ne ne…die Jungs von heute…die lassen sich nicht so leicht abschütteln.
Auf diese Weise tanz/hüpfen wir uns über die halbe Tanzfläche, bis ich schließlich an die Bar flüchte um mir Wasser hole.
Ein kurzer Blick nach hinten…mein Tanz/hüpf Gefährte hat eine neue Tanzhüpfgefährtin gefunden, die ihm allerdings nicht davonläuft.

Eine zweite Runde tanzen vergeht ereignislos und weil ich..wenn ich tanze…richtig tanze…verlierte ich auch 15 litzer wasser, die nachgetrunken werden wollen. Und dann steh ich so in meiner erwählten Ecke und süffel an meinem Wasser…da hat sich ein anderer Kerle aus seiner Klasse gelöst und schlurft da mit seinem offenen Hemd extrem cool auf mich zu.
Es fällt mir schon schwer so penetrant beiseite zu sehen, als würde ich nicht bemerken, dass er zu mir kommt. Aber der ignoriert das. Als er so vor mir steht…guckt er mich eine Weile an und streckt mir dann sein angetrunkenes Bier in der Flasche entgegen….
Ich vermute, das ich die heute aktuelle Version von : „Darf ich dir etwas zu trinken ausgeben?“
Ich guck die eine Flasche an und dann die andere…nein das ist gemein.
Ich guck die eine Flasche an und dann das Bier und schüttel meinen Kopf mit einem netten Lächeln.
Schließlich muss ich ja honorieren, dass er den Mut hat fremde Frauen anzusprechen…(oder unter was auch immer 'Bier hinhalten' einzuordnen ist).
Meine Geste muss er wohl missdeuten, denn anstatt zu gehen, hält er die Flasche noch etwas näher zu mir…ich muss ja grinsen, weil es etwas niedliches hat wie er mir so vehemment sein Bier anbietet.
Ich beug mich also vor und brülle: „Wie alt bist du?“
„17“ brüllt er zurück. „…und du?“
„32“antworte ich ihm und lehn mich wieder an meine Wand.
Als diese Information in sein Gehirn vorgedrungen ist, seh ich Zweifel in ihm aufkommen.
Es dauert ein bisschen, dann beugt er sich zu mir.
„Ist ganz schön alt.“
….
Junge Männer können schon charmant sein, aber sein Gesicht macht, dass ich lachen muss.
Ja ne passt schon. Ich schüttel grinsend den Kopf und er nimmt seine Flasche Bier und kehrt zurück in seine Klasse.
Nach und nach quillt auch der Rest von Landshut in den Laden.Heimatlose Ex-Rocker mit Jeans und kariertem Hemd und Cowboystiefeln tauchen vereinzelt auf. Ein paar Menschen in meinem Alter…ein paar die…._ noch_ älter sind.

Nach 2 Stunden gebe ich auf…tanztechnisch. Trotz der vielen Jungs und der lustig gekleideten Frauen muss ich sagen, dass die Stimmung auf der Tanzfläche…toll ist. Ein angenehmes rumschwebendes Hin und her gehübbe.
Ich hab mich in jeder Hinsicht amüsiert…sowohl beim tanzen…als auch beim nicht-tanzen.
Und gelernt hab ich auch was.
Ich bin…..ganz schön alt.*G*

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